Christopher Seiler hat sich entschieden, die anstehenden Auftritte von Seiler und Speer auf Eis zu legen und stattdessen eine mehrwöchige Therapie zu beginnen. Das Management spricht von einer "professionell begleiteten" Maßnahme, was in der Branche wohl so viel heißt wie: Der gute Mann braucht eine Auszeit, bevor die nächste Welle der öffentlichen Meinung über ihn hereinbricht.
Die Verschiebung der drei Konzerte kommt zur rechten Zeit. Endlich kann sich Seiler in Ruhe mit sich selbst beschäftigen, fernab von Bühnen und Kameras. Ob er dabei neue Texte für sein kommendes Album mit Ernst Molden schreibt oder einfach nur über sein Leben nachdenkt, bleibt sein Geheimnis. Molden jedenfalls hat schon kundgetan, dass die für Ende April geplante Veröffentlichung nun doch noch etwas warten muss.
Die Justiz soll unterdessen ihren eigenen Weg gehen, wie es im Statement des Managements heißt. Eine klare Ansage: Wir lassen die Behörden gewähren, während wir uns um das seelische Wohl unseres Schützlings kümmern. Eine pragmatische Aufteilung der Arbeit, die sowohl den juristischen Prozess als auch die therapeutische Begleitung berücksichtigt.
Seilers Plan, sich im Sommer zurückzumelden, klingt ambitioniert. Vier Monate klingen nach einer angemessenen Zeit, um tiefsitzende Probleme zu bearbeiten. Ob er dann tatsächlich "neu und verbessert" auf die Bühne zurückkehrt oder einfach nur erschöpft von der vielen Selbstreflexion, wird sich zeigen. Fest steht: Die Bühne wird ihm fehlen. Und vielleicht auch das Publikum.
Währenddessen müssen die Fans sich mit Gerüchten und Spekulationen begnügen. Die einen hoffen auf ein Comeback mit neuem Schwung, die anderen fürchten, dass Seiler nach der Therapie gar nicht mehr derselbe sein wird. Vielleicht entdeckt er ja eine Leidenschaft für Meditationsmusik oder startet durch als Spoken-Word-Künstler. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos, wenn man sich erst einmal auf die Suche nach sich selbst begibt.
Eines ist sicher: Die Pause kommt zur rechten Zeit. Nicht nur für Seiler, sondern auch für die Branche. Endlich mal wieder eine Schlagzeile, die nicht von Albumcharts oder Tourdaten handelt, sondern von einem Künstler, der den Mut hat, sich zurückzuziehen und an sich zu arbeiten. Ob das am Ende gut geht? Wir werden es sehen. Spätestens im Sommer.