Wenn schon zwei Formel-1-Rennen reichen, um einen Teamchef in den Wahnsinn zu treiben, dann muss man sich ernsthaft fragen: Was macht Audi bloß mit seinen Mitarbeitern? Jonathan Wheatley, der britische Gentleman mit der unglücklichen Angewohnheit, in Teams zu arbeiten, die nach kurzer Zeit implodieren, hat nach nur zwei Grand-Prix-Wochenenden das Handtuch geschmissen.
"Persönliche Gründe", sagt Audi. Na klar. Der arme Wheatley hatte wohl keine Lust mehr, zuzusehen, wie seine Fahrer von allen überholt werden wie ein Opa auf der Autobahn. Der Deutsche Autobauer hat offenbar vergessen, dass auch im Formel-1-Business Geduld eine Tugend ist - zumindest wenn man mitten in der Saison einen kompletten Neustart wagt.
Mattia Binotto, der Mann, der schon bei Ferrari bewiesen hat, dass er Teams auch ohne Titel zum Erfolg führen kann, übernimmt jetzt zusätzlich die Teamchef-Aufgaben. Man stelle sich das mal vor: Ein Mann, der schon genug um die Ohren hat, muss jetzt auch noch die Pressekonferenzen geben, die Teamstrategie erklären und den Sponsoren die Laune halten. Das ist, als würde man einem Einarmigen eine Schreinerlehre anbieten.
Währenddessen spekuliert die ganze Formel-1-Welt, wohin es Wheatley als Nächstes verschlägt. Aston Martin? Das wäre die Krönung. Der Mann fliegt gerade aus einem Team, das noch nicht einmal in Tritt gekommen ist, und soll dann bei einem Konkurrenten das Kommando übernehmen, dessen Autos wegen Motorenproblemen noch nicht einmal ins Ziel gekommen sind. Das ist wie vom Regen in die Traufe - nur dass beide Stellen unter Wasser stehen.
In der Branche wird schon über einen neuen Guinness-Weltrekord gelacht: "Schnellster Teamchef-Abgang nach Saisonbeginn". Der alte Rekord lag bei immerhin drei Rennen. Wheatley hat ihn mit zwei unterboten. Hut ab vor dieser Leistung! Das ist schneller als jeder Boxenstopp.
Mercedes hat unterdessen beschlossen, dass ein Teamchef nicht reicht und einen zweiten bestellt. Toto Wolff bekommt einen Stellvertreter. Das ist, als würde man einem Feuerwehrmann einen Wasserschlauch in die Hand drücken und ihm dann sagen: "Hier, nimm noch einen zweiten, falls der erste nicht funktioniert." In der Formel 1 hat man offenbar gemerkt, dass ein einziger Teamchef für die ganze Arbeit zu wenig ist. Daher wird jetzt doppelt gearbeitet - und das in einer Zeit, in der alle anderen Teams noch darüber streiten, ob sie überhaupt einen Teamchef brauchen.
Der Clou an der Sache: Audi hat jetzt einen Teamchef weniger und Mercedes einen mehr. Das ist, als würde man bei Monopoly die Hotels von einer Straße zur anderen rücken. Nur dass hier nicht Häuser umziehen, sondern die Verantwortung für Millioneninvestitionen.
Die Formel 1 wird immer spannender - nicht nur auf der Strecke, sondern auch daneben. Wer weiß, vielleicht gibt es bald eine eigene Meisterschaft für Teamchef-Wechsel. Dann könnte Wheatley der Titelverteidiger werden. Bis dahin wünschen wir Mattia Binotto viel Glück mit seinem neuen Doppel-Job. Er wird ihn brauchen.