Was als harmloser Blick hinter die Kulissen begann, endete am Samstag im Autozentrum Seat Harb in Weiz in einem personellen Desaster ungeahnten Ausmasses. Als die Tore für die neugierigen Autofans geöffnet wurden, hatte niemand mit der Flut an überambitionierten Laien gerechnet.
Kaum hatten die ersten Besucher die Hallentore passiert, wurden sie auch schon von übermotivierten Verkäufern mit Schraubenschuesseln bewaffnet. "Wir dachten, wir zeigen ihnen nur die Werkstatt", sagte eine sichtlich überforderte Mitarbeiterin später. "Doch dann stellten sie Fragen, und plötzlich mussten wir ihnen die Werkzeuge in die Hand drücken."
Was folgte, war eine beispiellose Umkehr der Rollenverteilung. Die eigentlichen Angestellten, überfordert von der fachkundigen Neugier ihrer Gäste, zogen sich immer mehr in die Verwaltung zurück. "Ich habe meinen Job an einen pensionierten Lehrer verloren", klagte ein Mechaniker. "Der hat mir erklärt, dass mein Ölwechsel-Protokoll 'fachlich nicht haltbar' sei."
Die Situation eskalierte, als die Besucher begannen, sich selbst als Verkäufer zu inszenieren. "Ich habe einem Ehepaar einen SUV verkauft, obwohl ich gar nicht weiß, was SUV bedeutet", gestand ein ehemaliger Softwareentwickler. "Aber der Kunde schien zufrieden. Zumindest hat er nicht gemerkt, dass ich ihm ein Rasenmäher-Motorrad andrehen wollte."
Am Ende des Tages hatte sich das Autohaus in eine bizarre Parallelwelt verwandelt, in der die Kunden die Chefs waren und die Angestellten zu verzweifelten Zuschauern ihrer eigenen Entmachtung wurden. "Ich glaube, ich bleibe jetzt hier", sagte ein Besucher, der sich gerade selbst zum "Chef der Werkstatt" ernannt hatte. "Die Bezahlung ist zwar schlecht, aber die Arbeitszeiten sind super flexibel."
Ob das Autozentrum Seat Harb jemals zur Normalität zurückfinden wird, bleibt fraglich. Eines ist jedoch sicher: Die nächste "Offene Tür"-Aktion wird wohl eher eine "Geschlossene Tür"-Aktion werden. "Wir haben gelernt, dass Neugierde im Autohaus gefährlich sein kann", sagte eine Sprecherin. "Nächstes Mal bleiben wir einfach zu und tun so, als ob wir geschlossen hätten."