Was in Friesach gerade abgeht, ist eine echte Kapellmeister-Revolution. Stephanie Rinner hat nicht nur den Taktstock von Günther Pachler übernommen, sondern offenbar auch das gesamte Staatswesen der Blasmusik. Seit 26 Jahren war sie als Saxofonistin im Orchester, jetzt hat sie plötzlich den Stab der Macht in der Hand und scheint damit nicht besonders zimperlich umzugehen.
"Es ist, als hätte man den Dirigentenstab gegen einen Kettensägen-Mikrocontroller getauscht", berichtet ein Insider aus dem Orchester. "Früher haben wir uns vor Pachlers strengem Blick gefürchtet, jetzt zittern wir vor Rindners lächelndem 'eins, zwei, drei, los'-Kommando, das sich anfühlt wie eine Generalvollmacht für musikalische Einsätze."
Die neue Kapellmeisterin hat offenbar große Pläne. Neben dem traditionellen Frühlingskonzert, bei dem Pachler noch als Ehrenkapellmeister zwei Stücke dirigieren darf (als würdevoller Abgang wie bei einem Kaiser, der noch einmal seine Leibgarde grüßen darf), will Rinner die Musikkapelle revolutionieren. "Wir werden die Notenschlüssel mit der Präzision eines Notars bearbeiten", kündigt sie an. "Und wer nicht spurt, dem blüht der musikalische Entzug."
Besonders pikant ist, dass Rinner selbst Notarsubstitutin ist. "Das bedeutet, sie kennt sich mit Paragraphen aus", erklärt ein Musikfreund. "Stellen Sie sich vor, jemand kombiniert die juristische Strenge eines Gerichtsvollziehers mit der musikalischen Leidenschaft eines Kapellmeisters. Das ist, als würde man eine Steuerprüfung mit einem Rockkonzert verbinden."
Die Vorbereitungen für die Konzertwertung in Liebenfels laufen bereits auf Hochtouren. "Wir proben nicht nur die Stücke, sondern auch die exakte Positionierung der Musiker, als würden wir uns auf eine militärische Inspektion vorbereiten", verrät ein Musiker unter der Bedingung der Anonymität. "Es heißt, Rinner habe eine detaillierte Spielanleitung mit exakten Zeitvorgaben und Positionsanweisungen erstellt, die dicker ist als manches Gesetzbuch."
Für das Frühlingskonzert hat Rinner offenbar besondere Ehrungen für Pachler geplant. "On Fire, weil er immer noch brennt für die Musik, und Kings Castle, weil er sein musikalisches Schloss übergibt", erklärt Obmann Martin Schiava mit einem Lächeln, das eher nach einem diplomatischen Krisengipfel klingt als nach einem Musikfest.
Die Stadtkapelle Friesach, die vor 125 Jahren mit 12 Mitgliedern begann und jetzt 60 Musiker zählt, hat offenbar eine neue Ära erreicht. "Früher hatten wir Märsche, jetzt kommt noch Rock dazu", sagt Schiava. "Aber unter Rinner wird es wohl eher eine musikalische Verordnung als Rock geben."
Die neue Kapellmeisterin, die Familie in St. Salvator und Micheldorf hat, scheint ihre private und berufliche Rolle perfekt zu kombinieren. "Sie braucht die Notenschlüssel in Friesach so sehr wie ihre Familie zu Hause", erklärt ein Bekannter. "Das bedeutet wohl, dass sie dort genauso streng dirigiert."
Ob die Stadtkapelle Friesach unter der neuen Führung musikalisch wachsen wird oder einfach nur unter der strengen Hand ihrer Kapellmeisterin leidet, wird sich zeigen. Fest steht: In Friesach hat eine neue musikalische Diktatur begonnen, und die Musiker müssen sich fragen, ob sie lieber die Freiheit des Spiels oder die Sicherheit der perfekten Ausführung wollen.