BMW Motorrad hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Eine Enduro, die sich in erster Linie an die Zielgruppe der "Silberrücken" richtet, also an jene Herren, deren einst stolze Boxer-GS mittlerweile mehr wiegt als ihre Enkelkinder. Die F 450 GS kommt daher mit einem Motor, der zwar nur 48 PS leistet, dafür aber so vibrationsarm ist, dass man noch nebenher telefonieren kann – falls das Smartphone nicht schon im nächsten Schlagloch gelandet ist.
Der Clou: Die vordere Bremse ist vom großen GS-Bruder, allerdings nur "halbe-halbe", weil ja die andere Hälfte noch beim echten Motorrad arbeitet. Praktisch für alle, die nicht mehr auf beiden Seiten gleichzeitig bremsen können. Die Federung ist so gut, dass selbst ein zweimal ein halber Quadratmeter großes Doppelschlagloch in Sizilien die Fahrt nicht trübt – ein echter Vorteil für alle, die ihre Orientierung schon im heimischen Kreisverkehr verlieren.
Das Kuriose an der Namensgebung: Eigentlich sollte das Ding F 420 GS heißen, was aber verworfen wurde, weil man befürchtete, es könnten sich falsche Assoziationen einstellen. Wer "420" googelt, landet nämlich nicht bei Hubraumangaben, sondern bei Cannabis-Fans, die um 16:20 Uhr besonders aktiv sind. BMW wollte offenbar nicht als Droge für Senioren gelten.
Besonders praktisch ist die neue "Easy Ride Clutch", die es erlaubt, bis zum Stillstand durchzuschalten, ohne den Kupplungshebel zu berühren. Das ist besonders für jene Fahrer interessant, die ihre linke Hand gerade für wichtigere Dinge brauchen, zum Beispiel um den Helm zuzuziehen oder den Gehörschutz richtig zu positionieren. In Kombination mit dem Quickshifter kann man sogar im sechsten Gang stehen, was vor allem auf dem Heimweg von der Motorradtreffen-Kneipe nützlich ist.
Wer es etwas kerniger mag, kann gegen Aufpreis eine Akrapovic-Anlage bestellen. Allerdings sollte man sich nicht wundern, wenn das Ergebnis nicht ganz so klingt wie das Concept Bike von der EICMA. Bei dem waren nämlich kurzerhand alle Schalldämpfer entfernt worden, was in Wohngebieten eher zu Beschwerden führt. Die serienmäßige Variante klingt immerhin so erwachsen, dass man noch mit dem Partner darüber reden kann, warum man jetzt schon wieder ein neues Motorrad braucht.
Die F 450 GS ist also genau das Richtige für alle, die ihre alte GS zwar noch lieben, aber langsam merken, dass sie beim nächsten Ausfallschritt lieber einen Arzt als eine Werkstatt anrufen sollten. Mit knapp 180 kg und einem Radstand von 1,47 Metern ist sie zwar kein Moped, aber immerhin so wendig, dass man noch rechtzeitig ausweichen kann, wenn die nächste Kuh die Kurve schneidet – oder der Nachbar mit seinem Rollator über die Straße will.