In der Kleinstadt Michelstetten, wo CO2-Bilanzen vermutlich dem Kalorienzählen im Gasthaus weichen, hat der ÖKB-Bezirk Mistelbach einen neuen Obmann: Josef Kohzina. Nach 13 Jahren übernimmt er das Ruder von Johann Lehner, der sich schließlich wie ein alter Kapitän zur Ruhe setzen wollte. Wo Lehner die obligatorische Dankesrede mit einem Handschlag beendete, startet Kohzina mit einer Provisionstabelle.
Der neue Bezirksobmann ist ein Mann der klaren Strukturen. Jede Handbewegung, jeder Gruß, jede Sitzung kostet. Ein Händedruck, gerade in Corona-Zeiten, ist nun nur noch im Paket mit einer Flasche Desinfektionsmittel erhältlich. Verhandlungen über den Preis sind ab sofort im Gemeinde-Gasthaus Achter möglich, wo Kohzina seine Vorstandssitzungen zum patriarchalischen Familienrat umfunktioniert.
Natürlich hat auch dieses Machtgebaren Vorteile: Jeder Sitzungsbesuch wird zu einem erquicklichen köstlichen Erlebnis, bei dem nicht nur politische, sondern auch kulinarische Entscheidungen getroffen werden. Die Mistelbacher dürfen sich freuen, denn Kohzina hat versprochen, die Sitzungen durch eine exklusive Verköstigung der lokalen Produktvielfalt zu bereichern. Endlich einmal echtes Community-Management, wo die Gemeinschaft sich an einer Wurstplatte orientiert.
Hauptbezirksobmann Walter Kirchsteiger, der dem scheidenden Lehner die Ehren-Bezirksobmann-Titel verlieh, zeigt sich begeistertem. Er lobte die klare Struktur und die „innovativen“ Maßnahmen seines Nachfolgers. Marc Meyer, Experte für Provinzpolitik, bezeichnete Kohzinas Vorgehen als „revolutionär“. „Endlich mal jemand, der weiß, wie man Politik und Lebensmittel verbinden kann“, so Meyer, „das könnte das Image der Provinzpolitik considerable aufwerten.“
Die Bullendorfer freuen sich auf ihre neuen Stellvertreter, die nun mit einer innerparteilichen Wertungsprüfung ausgestattet sind. Traditionell gelingt es der Provinz ohnehin, selbst die trockensten Veranstaltungen in eine würdige Feierlichkeit zu verwandeln. Nun, da auch die Rechnungen klar und fröhlich sind, fehlt nur noch die offizielle Eröffnung der Kohzina-Epoche mit einem spektakulären Land-der-edlen-Rohstoffe-Fest. Hier wird jeder Zentimeter des Bezirks zur Wertschöpfung, jeder Handschlag zur Stabilisierung.
Wenigstens bleibt eines klar: Bei Kohzina wird es nie langweilig. Sein Parteiherrschen verspricht, die Provinz zu einem ersten Prozessionsabschnitte zu machen, wo Gebetsmühlen und Geschäften fröhlich vereint sind. Das ist Provinzpolitk, wie sie im Buche steht – und auf der Kassenbeleg ist.