Fruehjahr ist nicht nur die Zeit der Maerzenbecher und der Allergie-Attacken, sondern auch die Hochsaison der grossen Liebesjagd. Waehrend die Wissenschaftler in ihren Elfenbeintuermen noch darueber debattieren, ob ein Linkswischen nun mehr mit der Vorliebe fuer das linke Bein oder fuer linke Politik zu tun hat, rollt im digitalen Flirt-Dschungel bereits die Hauptsaison an.
Die App-Entwickler feiern sich selbst mit grossartigen Statistiken: "In den ersten drei Maerz-Wochen verzeichneten wir einen Anstieg der Matches um 237 Prozent", prahlt ein Sprecher, der namentlich nicht genannt werden will, weil er fuer diesen Quatsch auch noch Geld kassiert. "Besonders erfreulich: Die durchschnittliche Chat-Dauer ist um 42 Sekunden gestiegen." Welch bahnbrechende Erkenntnis! Die Menschheit kommt der verbalen Kommunikation also doch noch naeher - zumindest online.
Die Realitaet sieht oft anders aus. Waehrend die Algorithmen fieberhaft potenzielle Partner zusammenwuerfeln, gleicht die Suche eher einer digitalen Schnitzeljagd. Da ist der Mann, der seine Katze als Tinder-Profilbild verwendet und sich wundert, warum alle Matches mit "Miau" beginnen. Die Frau, die ihre Interessen mit "Essen, Schlafen, Netflix" beschreibt und sich dann wundert, warum sie nur zu Filmabenden eingeladen wird. Der Typ, der in seinem Profil angibt, "gerne zu wandern", aber bei jedem Vorschlag fuer ein Outdoor-Date ploetzlich eine schwere Pollenallergie entwickelt.
Besonders witzig wird es, wenn die Wissenschaft versucht, diesen Zirkus zu rationalisieren. "Wir haben festgestellt, dass Menschen in wae-rmerem Wetter eher bereit sind, Risiken einzugehen", verklaert ein Psychologe, der vermutlich noch nie einen Oesterreicher im April gesehen hat. Als ob wir nicht schon im Jänner Risiken eingegangen waeren - etwa das Risiko, sich bei -5 Grad auf ein Date zu verabreden und dann im eiskalten Wind neben jemandem zu stehen, der sich als wandelndes Klischee entpuppt.
Die Dating-App-Wirtschaft boomt derweil ungebrochen. Neue Features werden eingefuehrt, schneller als man "Geister-Match" sagen kann. Da ist die Funktion, die anzeigt, wie lange jemand schon online ist - weil wir ja alle wissen, dass permanente Erreichbarkeit der Schlssel zu einer gesunden Beziehung ist. Oder die Super-Likes, die man nur gegen Geld erwerben kann, weil offenbar normale Likes nicht mehr ausreichen, um die Aufmerksamkeit eines Menschen zu erregen.
Die Wissenschaft spricht von "Matching-Algorithmen", aber in Wahrheit gleicht das System eher einem digitalen Roulettespiel. Man wirft seinen digitalen Ball in die virtuelle Kugel und hofft, dass er auf der richtigen Zahl landet. Die einzige Differenz zur Spielbank: Hier kann man nach einer verlorenen Runde sofort weiterspielen, ohne das Haus verlassen zu muessen.
Fazit: Die digitale Liebesjagd ist eroeffnet. Die Wissenschaft liefert die Theorien, die Apps die Technik, und die Menschen liefern die absurden Geschichten. Ob am Ende eine grosse Liebe oder nur ein weiterer Eintrag in der "Seltsame Dates"-Sammlung herauskommt? Das entscheiden Sekunden - und vielleicht doch noch das Wetter.