Italien hat ein Problem. Die Nation der Pasta, der Gelato und der Fiat-Pannen hat plötzlich etwas getan, was noch nie zuvor geschah: Sie wurden im Wintersport gut. Das ist nicht nur für die österreichischen Skifahrer besorgniserregend, sondern vor allem für die italienische Küche, die jetzt befürchten muss, dass die Köche ihre Küchen verlassen und stattdessen auf die Piste gehen.
Florian Schieder, der sympathische Grödner, der noch vor wenigen Jahren vor allem dadurch auffiel, dass er auf Bergen wohnt, die nach ihm benannt sind, muss jetzt mitansehen, wie sein Heimatdorf zur Brutstätte der italienischen Ski-Macht wird. "Wir haben am Tisch gesessen und gerätselt", gestand er ein, "was da gerade so gut läuft." Das klingt verdächtig nach einer Verschwörungstheorie, die Schieder selbst noch nicht ganz durchschaut hat.
Dabei ist die Sache viel einfacher als gedacht. Die italienische Regierung hat offenbar erkannt, dass man mit Pasta und Wein allein kein Geld verdienen kann. Also wurde kurzerhand ein Forschungszentrum in Gröden eingerichtet, in dem junge Athleten mit einer speziellen Nudel-Diät und täglichem Vespa-Training zu Ski-Rennfahrern umgewandelt werden. Das erklärt auch, warum plötzlich so viele Italiener aus den hinteren Startnummern nach vorne schießen – sie haben einfach mehr Kohlehydrate im Blut.
Die Methode ist verblüffend simpel: Jeden Morgen werden die Athleten mit Espresso und Tiramisu geweckt, danach geht es zum mentalen Training, bei dem sie lernen, "Bella Ciao" im Takt der Tore zu summen. Nachmittags folgt die Praxis: Auf einer speziell präparierten Piste, die aussieht wie eine Riesen-Lasagne, üben sie das Bremsen mit Parmaschinken und das Beschleunigen mit Olivenöl.
Schieder selbst, der noch immer versucht, den Unterschied zwischen einer Rennfahrerlaufbahn und einer Pasta-Nudel zu verstehen, gibt sich gelassen: "Vielleicht schaffe ich es ja noch einmal zu Olympia, man weiß es ja nie." Das ist die Art von Optimismus, die man von jemandem erwartet, der in einem Land lebt, in dem die größte Sorge nicht der Klimawandel ist, sondern ob die nächste Gondel pünktlich kommt.
Der Clou der italienischen Strategie ist jedoch die psychologische Komponente. Während österreichische Skifahrer noch darüber streiten, ob sie jetzt lieber ans Podium oder an die nächste Jause denken sollen, haben die Italiener eine simple Regel: Lächeln, egal was passiert. Das erklärt auch, warum Franzoni nach seinem Kitzbühel-Sieg aussah, als hätte er gerade die beste Pizza seines Lebens gegessen, statt eine Weltcup-Abfahrt gewonnen.
Für Österreich bedeutet das eine Zerreißprobe. Entweder man entwickelt eine Gegenstrategie, die auf der jahrhundertealten Tradition der Skifahr-Exzellenz und der Jausen-Kunst basiert, oder man gibt auf und konzentriert sich auf das, was man wirklich kann: Kaffee trinken und über das Wetter klagen. Die Zukunft des alpinen Skisports wird jedenfalls nicht mehr in den Alpen entschieden, sondern in den Forschungslabors von Gröden, wo gerade an einer neuen Generation von Skiern gearbeitet wird, die aus Recycling-Pasta hergestellt sind.
Am Ende wird Florian Schieder wohl recht behalten: Vielleicht schafft er es ja noch einmal zu Olympia. Aber dann wird er nicht mehr gegen normale Skifahrer antreten, sondern gegen perfekt getimte, genetisch optimierte Pasta-Roboter, die zwar schneller sind als er, aber zum Glück immer noch nicht so gut kochen können.