Wenn die bayerischen Behörden wieder einmal Großes vorhaben, dann wird's spannend. Diesmal haben sie gemeinsam mit ihren österreichischen Freunden die "Operation Alice" gestartet und dabei fast eine halbe Million Darknet-Seiten vom Netz genommen. Das ist so, als würde man einen ganzen Supermarkt mit verbotenen Süßigkeiten leer räumen, nur dass die Süßigkeiten in diesem Fall leider alles andere als süß sind.
Der Clou dabei: Die ganze Sache war anscheinend ein einziger großer Betrug. Der Betreiber der Plattform, ein flüchtiger Chinese, hat den Leuten Bilder von Kindesmissbrauch gegen Bitcoins versprochen, aber nie geliefert. Man könnte fast Mitleid haben mit den Kunden, die ihr digitales Geld für nichts und wieder nichts ausgegeben haben. Fast. Denn selbst wer etwas nie erhalten hat, bleibt ein Verdächtiger, wenn er es bestellt hat. Das ist so, als würde man eine Pizza bestellen und trotzdem Ärger bekommen, weil jemand beim Lieferdienst meint, man hätte sie bestellt.
Besonders stolz sind die Ermittler darauf, dass sie vier Männer in Österreich ausgeforscht haben, darunter einen Ungarn, der saisonal in einem Tiroler Hotel arbeitete. Der arme Bursche hat wohl nicht damit gerechnet, dass sein Nebenjob im Darknet aufzufliegen droht, während er draußen die Skisaison vorbereitet. Vielleicht hätte er besser auf die Pistenbeschneiung als auf die digitale Schneeballsysteme setzen sollen.
Der österreichische BK-Direktor Holzer tönt natürlich voller Selbstzufriedenheit, dass man mit "voller Härte" gegen Kindesmissbrauch vorgehe. Dabei hat man gerade mal ein paar hunderttausend Seiten abgeschaltet, von denen die meisten ohnehin nie etwas geliefert haben. Es ist so, als würde man einen Online-Shop schließen, weil der Verkäufer zu faul zum Verschicken war. Aber hey, Statistiken sehen besser aus, wenn man große Zahlen vorlegen kann.
Der eigentliche Verlierer dieser Geschichte ist der chinesische Betreiber, der mit seinem Netzwerk von 287 Servern stolze 345.000 Euro verdient hat. Das ist weniger, als manche Influencerin in einem Monat mit Werbung für Diät-Drinks einnimmt. Aber immerhin: Er hat es geschafft, die deutsche Justiz zu beschäftigen und den bayerischen Behörden einen Grund zu geben, sich als Retter der digitalen Welt zu inszenieren. Hut ab vor dieser Leistung.