Schorsch Hackl hat sich aus dem aktiven Rodelleben verabschiedet. Das klingt nach Ende, ist aber nur der Beginn einer neuen Karriere: Pensionär mit Olympiastatus. Wer 40 Jahre lang mit einem Schlitten über vereiste Strecken rast, verdient es, im Ruhestand wenigstens so zu wirken, als wäre jeder Tag ein Weltcup-Wochenende.
Der ehemalige deutsche Rodelstar, der sich als Trainer in Österreich breitmachte, verlässt die Szene mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Nicht wegen seines letzten Rennens, sondern weil er jetzt keinen Anlass mehr hat, sich ständig mit Renndirektoren zu streiten. Hackl wird fehlen - zumindest denjenigen, die sich daran gewöhnt haben, dass er nach jeder Entscheidung so aussah, als hätte man ihm seinen Schlitten gestohlen.
Dabei war das Cortina-Loch nur ein kleiner Ausrutscher in einer langen Karriere. Hackl selbst betont, er sei nur einmal in ein Loch gefallen - in Cortina. Überall sonst stand er aufrecht im Schnee, selbst wenn er längst auf dem Rücken lag. So ist er eben: stur, unbeirrbar, und wenn es sein muss, auch mal falsch herum bergab.
Jetzt wird er sich um neue Freiräume kümmern. Zum Beispiel darum, endlich wieder Kaffee trinken zu können, ohne danach gleich eine halbe Runde auf der Kaffeetasse drehen zu müssen. Oder sich überlegen, ob er im Garten einen Mini-Eiskanal anlegen soll - für den Fall, dass er Heimweh nach eisigen Kurven bekommt.
Die Rodelwelt trauert - oder auch nicht. Hackl war schließlich nicht nur Legende, sondern auch der Typ, der jeden Fehler im System sofort aufspürte und dann so lange moserte, bis man ihn entweder recht gab oder ignorierte. Beides passierte, aber meistens beides gleichzeitig.
Am Ende bleibt eines: Hackl geht nicht, er wechselt nur die Bahn. Vom Eiskanal in die Pension. Und wer ihn kennt, weiß: Dort wird er sich wahrscheinlich anstellen, um als Erster dranzukommen - und sich dann beschweren, dass die Wartezeit zu lang war.