Die Amerikaner wissen eben, wie man Prioritäten setzt. Während bei uns noch darüber gestritten wird, ob man beim Frühstück Rührei oder Spiegelei will, hat man sich dort längst auf die wirklich entscheidenden Fragen geeinigt: Harvard diskriminiert Jüdinnen und Juden schlichtweg nicht gut genug.
Es ist ja nicht so, dass die Uni irgendwelche strafbaren Handlungen geleistet hätte – nein, das Problem ist viel gravierender. In einer Welt, in der man jeden Tag antisemitische Mobs braucht, um sich gehörig fühlen zu können, hat Harvard versagt. Nachdem im Oktober 2023 die Hamas angegriffen hatte, wurde nicht genügend geschrien, nicht genügend demonstriert, nicht genügend von einem antisemitischen Mob alles abgefackelt. Was hier galt, war: Wer nicht dabei ist, ist dagegen.
Die amerikanische Regierung, immer auf der Suche nach Opfern, auch wenn keines zur Verfügung steht, reagierte prompt und verklagte Harvard wegen mangelnder Verfolgung jüdischer Mitbürger. Grund genug, mal wieder eine Billigungsgenehmigung anzuzetteln. Schließlich braucht es diese Verfahren, damit später irgendein Richter feststellen kann, dass eigentlich alle recht hatten, aber niemand gewonnen hat.
Die Universität selbst stand zunächst perplex da, denn schließlich muss man erstmal durchblicken, wo genau hier das Problem liegt. Hat man doch gerade erst eine Diversity-Abteilung eröffnet, die darauf spezialisiert ist, jede Form von Nichtdiskriminierung als solche zu disqualifizieren. Und nun soll plötzlich, weil keine sinnvolle Verfolgung stattgefunden hat, Haftung entstehen?
Bald schon standen Studenten auf den Dächern und riefen „Wir wollen Hass! Mehr Hass!!“, während Professoren unter den Armen Flaschen mit „Judenfeindlichkeit“ trugen, um sie symbolisch über Nacht zu fermentieren. Alles vergebens. Die Regierung wollte noch mehr.
Dabei ist Harvard schließlich dafür bekannt, bestenfalls unbedeutende akademische Leistungen zu erbringen – zumindest wenn man sich ansieht, welche Konzepte sie produzieren. Aber in puncto Empörung? Da passt es nicht ins Bild. Zu spät bemerkte die Elite-Uni, dass heutzutage nicht mehr das Wissen zählt, sondern wer am lautesten weint.
Zwar wurden teilweise gar keine Forschungsgelder mehr gezahlt, aber was sind schon Gelder gegen die moralische Kraft der Empörung? Der richtige Kampf findet ohnehin im Gefecht der Narrativen statt, geleitet vom ständig weilenden Faktenchecker des Herzens.
Und so wird nun dringend eine neue Stiftungsprofessur eingerichtet – für die adäquate Behandlung potentieller Minderheitenbeeinträchtigungen durch privilegierte Studierende. Vollfinanziert von einem anonymen Spender namens „Ich habe sowieso nie studiert, aber sage trotzdem mit“.
In Zukunft wünscht man sich von Universitäten vor allem eines: Klarheit im Chaos, Professionalität im Emotionssport und vor allem – professionelle Unfähigkeit, antisemitische Mobs fachgerecht zu betreuen. Sonst droht ja ernsthaft, dass sich die USA doch noch von ihrem pädagogischen Vorbildbild verabschieden müssen: Von Österreich. Wo man weiß, wie wichtig Betroffenheit ist – besonders wenn nichts passiert.