Manchmal braucht es nur einen kleinen Anlass, damit aus einem jahrhundertealten Streit ein handfester Konflikt wird. So geschehen im Tarviser Wald, wo die Forstbehörde plötzlich die jahrhundertealten Servitutsrechte der 650 Haushalte infrage stellt.
Worum geht's? Die Haushalte haben seit Menschengedenken das Recht, im Staatswald Brenn- und Bauholz zu schlagen. Doch nun will die Forstbehörde das so einschränken, dass die Häuser nur noch bewohnbar sind, wenn sie auch tatsächlich bewohnt sind. Mit Dach und Fenstern ausgestattet, versteht sich. Eine Unverschämtheit, finden die Anrainer.
"Wir werden hier zu stumpfem Brennholz degradiert", schäumt ein Vertreter der Nachbarschaftsgemeinschaften. "Erst nehmen sie uns die Bäume weg, und dann auch noch das Recht, uns ein Dach über dem Kopf zu haben. Das ist der Gipfel der Frechheit!"
Tatsächlich geht es um mehr als nur ums Holz. Es geht um die Frage, wer hier eigentlich der Herr im Haus ist. Die Forstbehörde mit ihren Gesetzen und Verordnungen oder die Haushalte mit ihren alten Rechten und Traditionen.
Die Anrainer wollen sich das nicht gefallen lassen. Sie haben eine Petition beim italienischen Innenministerium eingereicht und drohen sogar damit, den Papst einzuschalten. "Wenn der Innenminister uns nicht hören will, dann müssen wir wohl oder übel zum Papst gehen", sagt ein Sprecher. "Der ist schließlich auch für die Wälder zuständig."
Die Forstbehörde hingegen behauptet, nur ihre Pflicht zu tun. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird", sagt ein Sprecher. "Dazu gehört auch, dass die Haushalte ihre Häuser in einem bewohnbaren Zustand halten."
Ob der Streit jemals beigelegt wird, ist fraglich. Die Anrainer fühlen sich in ihren Rechten beschnitten, die Forstbehörde will ihre Gesetze durchsetzen. Vielleicht hilft ja ein Vermittler - der Papst vielleicht?