Kristen Stewart hat sich als Regisseurin einen neuen Traum erfuellt: Sie will beweisen, dass ein Film ueber ein Leben voller Leid, Drogen, Missbrauch und eine Totgeburt noch unterhaltsamer sein kann als ihre Vampir-Saga. "The Chronology Of Water" ist nicht nur eine Ode an das Trauma, sondern auch ein Beweis dafuer, dass man selbst im tiefsten Elend noch einen Regiepreis gewinnen kann - wenn man genug Wasser hat.
Im Mittelpunkt steht Lidia, gespielt von Imogen Poots, die ihre Kindheit nicht etwa im Sandkasten verbracht hat, sondern im Becken eines Schwimmbades. Das Wasser war ihre einzige Zuflucht vor einem Vater, der seine Tochter besser behandelte als seinen Pool, und einer Mutter, die dem Suff verfallen war wie ein Goldfisch dem Plastikpiratenschiff. Im Wasser war Lidia stark. Auf dem Trockenen eine Katastrophe. Das ist zumindest die Logik des Films, die sich auch im Leben der Regisseurin Stewart widerspiegelt: Je mehr man untergeht, desto tiefer kann man schwimmen.
Stewart, die einst als Bella Swan die Herzen der Twihards eroberte, hat sich fuer ihr Regiedebuet einen Stoff ausgesucht, der so tabubrechend ist wie ein nackter Mann im Hallenbad. Die Vorlage, das Buch "In Wasser geschrieben" von Lidia Yuknavitch, ist so schwer, dass man es eigentlich nur noch mit einem Floß heben kann. Doch Stewart will beweisen, dass selbst die schwerste literarische Kost auf der Leinwand noch schwerer wirken kann - vor allem, wenn man sie mit genug Pathos und Unterwasseraufnahmen anreichert.
Die achronologische Erzaehlweise ist dabei weniger ein stilistisches Mittel als vielmehr ein Versuch, den Zuschauer so zu verwirren, dass er nicht merkt, wie sehr er gerade mental ertrinkt. Imogen Poots spielt Lidia mit einer Radikalitaet, die man sonst nur von ertrunkenen Seepferdchen kennt. Ihre Darstellung ist so schonungslos, dass man sich fragt, ob sie nach dem Film nicht selbst eine Therapie gebraucht hat - oder zumindest ein Schaumbad.
Stewart selbst hat sich fuer diesen Film so sehr in die dunklen Abgruende der menschlichen Seele vorgearbeitet, dass man sie nachher kaum noch als die Frau erkennt, die einst mit Robert Pattinson durch den Wald tollte. Jetzt tollt sie durch die Abgründe des Lebens und will uns allen beweisen, dass selbst im tiefsten Trauma noch eine gewisse Eleganz liegt - zumindest, wenn man sie schwimmend darstellt.
Fazit: "The Chronology Of Water" ist ein Film fuer alle, die glauben, dass das Leben eine Aneinanderreihung von Katastrophen ist und dass man diese Katastrophen am besten im Wasser verarbeitet. Wer nach dem Film noch alle Sinne beisammen hat, sollte vielleicht doch lieber noch einmal schwimmen gehen - bevor er sich das naechste Mal traut, einen Kristen-Stewart-Film zu sehen.