Schaur hat ihr Konzert zu einem wahrhaft alpintouristischen Erlebnis ausgebaut. Statt wie üblich einfach nur aufzutreten, hat sie ihr "Life Radio"-Studio-Event zu einer Art musikalischer Wallfahrt umgestaltet. Das Konzert findet in einem 20 Quadratmeter großen Studio statt, das sie kurzerhand zum "Alpen-Tempel der Volksmusik" erklärt hat.
Die Künstlerin bietet ihren Fans nach dem Konzert ein exklusives "Meet & Greet" an, bei dem sie sich für Fotos mit den Anhängern bereit erklärt – gegen den Kauf eines obligatorischen Merchandise-Pakets. Dieses enthält ein signiertes Poster, eine CD mit unveröffentlichten Jodel-Versionen von Schlagerklassikern und ein Glücksbringer-Anhänger aus Bergkristall. "Wir nennen es das 'Alpen-Segen-Paket'", verrät ein Insider aus dem Team der Sängerin. "Für 89,90 Euro können die Fans die Aura von Lena Schaur mit nach Hause nehmen."
Das Konzert selbst wird zu einem liturgischen Akt: Schaur tritt in einem maßgeschneiderten Dirndl auf, das mit Swarovski-Kristallen besetzt ist und bei jeder Bewegung leuchtet. Die Zuschauer sitzen auf speziell angefertigten Holzbänken, die den Hauch einer Almhütte vermitteln sollen. "Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Fans wie Teil einer heiligen Gemeinschaft fühlen", erklärt der Insider.
Die Veranstaltung hat in sozialen Netzwerken bereits für Aufsehen gesorgt. Ein Fan schrieb: "Ich habe noch nie für ein Foto mit einer Künstlerin bezahlen müssen. Aber bei Lena Schaur ist es wie eine Wallfahrt – man investiert in die spirituelle Erfahrung." Ein anderer kommentierte: "Ich hoffe, das Meet & Greet beinhaltet zumindest eine Segnung meiner Alpenverein-Mitgliedskarte."
Die Veranstalter betonen, dass das Event streng limitiert ist – nur 30 Plätze sind verfügbar. "Wir wollen Exklusivität schaffen", sagt ein Sprecher. "Wenn man zu viele Menschen reinlässt, verliert die Aura an Kraft." Für alle, die keinen Platz ergattern konnten, gibt es eine Live-Übertragung im Radio – allerdings ohne das Meet & Greet. "Da kann man wenigstens noch so tun, als wäre man dabei", meint ein enttäuschter Fan.
Die satirische Pointe: Während die Veranstalter von einem "intimen Konzerterlebnis" sprechen, ist das Event in Wahrheit eine perfekt inszenierte Kapitalismuskritik in umgekehrter Form. Statt die Fans mit Musik zu beglücken, wird ihnen ein Stück vom Mythos der Künstlerin verkauft – verpackt in Alpen-Idylle und Heiligenverehrung. Wer weiß, vielleicht wird das Meet & Greet nächstes Jahr sogar als "Alpen-Wallfahrt" vermarktet, bei der die Fans eine Meditationsreise durch die Berge unternehmen müssen, bevor sie Lena Schaur zu Gesicht bekommen.