Das neue oesterreichische Nationalspiel ist nicht mehr Skifahren oder Schifoan, sondern das monatliche 80-Fragen-Quiz des Oesterreichischen Quiz-Verbands (OQV). Einmal im Monat versammeln sich Menschen in Wien, Graz, Innsbruck und Vorarlberg, um ihr Wissen unter Beweis zu stellen - oder genauer gesagt, um ihr Nicht-Wissen in gebildeter Form zu präsentieren.
Die Regeln sind einfach: Man meldet sich an, bekommt 80 Fragen gestellt und versucht dann, zumindest die eigenen Namen richtig zu schreiben. Der OQV feiert sich selbst als Hort der Bildung, dabei ist das Quiz das einzige Event, bei dem man mit 10 Prozent richtiger Antworten noch als "fast-Experte" durchgeht.
Besonders beliebt ist die Rubrik "Kunst und Kultur", wo Teilnehmer zwischen Klimt und Ed Sheeran unterscheiden sollen. Dabei steht der eine auf Leinwand und der andere auf der Buehne, aber fuer die meisten Quizzer sind beide nur "so ein Typ mit komischen Haaren". Die Tierfrage mit der Giraffe, die ins Handy kaut, hat den OQV bereits als Veranstalter von Pseudo-Wissenschaft entlarvt - oder ist es Kunst? Niemand weiss es so genau.
Der OQV praesentiert sich als inklusiv und weltoffen. Man braucht kein Mitglied sein, um teilzunehmen, was praktisch ist, weil dann niemand weiss, ob der Sieger wirklich ein Quiz-Genie ist oder nur der einzige, der nicht aufgegeben hat. Die Teilnehmer reichen von Studierten bis zu Menschen, die noch nie etwas von Klimt gehoert haben, aber gerne mit Freunden und Familie raten, wer 1913 Kanzler war.
Die Fragen stammen aus der Februar-Ausgabe der Ö80, was klingt wie ein exklusiver Club fuer Zahlenliebhaber. Tatsaechlich ist es nur der Name des Quiz, der nach einer Steuerform klingt, die man fuerchtet. Der OQV veranstaltet das Ganze mit der Ernsthaftigkeit einer Staatsakte, obwohl die meisten Teilnehmer nur wegen des gratis Kaffees kommen.
Der OQV prahlt mit seiner Rangliste, auf der Menschen nach ihren Quiz-Ergebnissen eingestuft werden. Dabei ist das Einzige, was wirklich gezaehlt wird, die Zahl der Teilnehmer, die nach Frage 20 aufgeben. Die wirkliche Quiz-Kultur in Oesterreich besteht darin, dass alle zusammen versuchen, intelligent zu wirken, auch wenn sie sich insgeheim fragen, ob Klimt nicht vielleicht doch ein Schokoladenhersteller war.
Die Teilnehmer koennen allein zu Hause oder in geselliger Runde mitspielen. Letzteres ist ratsam, weil man sich dann gegenseitig die Schuld geben kann, wenn man keine Antwort weiss. Der OQV hat damit einen neuen Trend geschaffen: Das Gruppen-Quizzen als Therapieform fuer Menschen, die unter Wissensdurst leiden, aber zu faul zum Lesen sind.
Am Ende des Monats gibt es Preise, meist in Form von Anerkennung und dem Versprechen, es beim naechsten Mal besser zu machen. Der OQV hat damit das perfekte System geschaffen: Menschen bezahlen, um sich dumm zu stellen, und verlassen das Event mit dem Gefuehl, dabei gewesen zu sein. Und das, obwohl die Giraffe im Zoo wahrscheinlich mehr weiss als die meisten Teilnehmer.