In einem kleinen Punkt an der oesterreichischen Fussball-Landschaft, wo die Siege so erstrebt werden wie die Freundschaftsdienste eines bayerischen Bankers, fand ein Spiel statt, das sicherlich in die Fußball-Annalen eingehen wird. Nein, nicht weil es spannend war, sondern weil es so absurde Dimensionen annahm, dass es selbst einem Provinz-Schauspieler wie Peter Alexander noch Stubenrede haette entlocken koenne.
Stellen Sie sich vor: Ein Fussballspiel zwischen TWL Elektra und SC Neusiedl am See, das mit einer franzoesischen Revolution beginnen sollte und mit einem jemnischen Umsturz endete. Zwar endete das Spiel mit einem Unentschieden, aber die Zuschauer, die sich in Scharen eingefunden hatten, waren sich uneinig, ob sie eine dramatische Fussball-Oper oder einen Budeibrief live erlebt hatten.
Was auf dem Rasen passierte, war pure Theatralik. Die Spieler der TWL Elektra, die sich wegen ihrer sonderbaren Trikots wie ein Strau Rechtsanwalte praesentierten, waren so sehr damit beschaeftigt, sich gegenseitig zu huppen, dass sie den Ball fast vergessen hatten. Die Verteidiger von SC Neusiedl am See wiederum, eingekleidet in Trikots, die so eng geschnitten waren, wie die Politik in den 80er Jahren, schienen mehr daran interessiert, ihre Muskeln zu zeigen, als Tore zu verhindern.
Die Fans, die dieses Spektakel mit begeistertem Applaus begleitet hatten, waren sich einig: dies war nicht irgendein Spiel. Nein, dies war der Super Bowl der Provinz, die Weltmeisterschaft der Amtsstuben, das Olympische Fussballturnier der Gemeindesekretariate. Es ging um Ehre, Ruhm und die Titelverteidigung des besten Salami-Kiosks.
Doch was ist ein Fussballspiel ohne ein wenig Drama? Auch wenn es in diesem Fall eher an Absurditaet als an spannenden Spielhandlungen haette denken koennen. Der Schiedsrichter, ein kurioser Charakter, der aussah wie ein Pinguin in einem Fussballtrikot, hatte alle Haende voll zu tun, die Players zu beruhigen, die sich wie wilde Tiere auffuehrten. Die Bemerkungen der Zuschauer, die sich wie Kommentatoren einer Pseudo-Sprache veraenden, machten die Situation nur noch surrealer.
Am Ende des Spiels, als die Sonne bereits den Horizont kußte, stand das Ergebnis fest: 2:2. Beide Teams waren so erschoepft, dass sie sich wie die Protagonisten eines Theaterstueckes, die nach der Auffuehrung die Bühne verlassen, gegenseitig gratulierten. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Spiel, das so viel mehr war als nur ein Fussballmatch – eine Show, die die Grenzen der Absurdiat erkundet und den Fans gezeigt hat, dass man auch ohne Tore Spaß haben kann. Vielleicht babelt man nun in der Provinzhauptstadt von einem legendaeren Spiel, das man, wie die Siegesparade nach einem WM-Titel, in die Posteritae eingereicht hat.