Es ist eine Liebesgeschichte, die mit einem Knall endet. Der Knall war das Geräusch, als der erste Bagger auf den Luxus-Radweg in der Lidlgasse einhämmert. Fünf Jahre lang hatten die Wiener mit diesem Monster-Projekt geglänzt: Ein Radweg, so breit, dass man darauf problemlos ein Wohnzimmer mit Sideboard hätte aufstellen können. Nun, so breit ist er nicht mehr.
Der Rückbau begann heimlich, still und leise. Frühmorgens, wenn die letzten Radfahrer noch träumen, rücken die Bagger an. Mit chirurgischer Präzision reißen sie die jüngste Errungenschaft der Stadt wieder ein. Fachleute sprechen von "optimierter Raumausnutzung", Radler von "Verrat an der Fahrradkultur". Die Wahrheit liegt wohl dazwischen: Es war alles ein bisschen zu groß geraten.
Die Bauarbeiter, die den Weg einst verlegt hatten, sind nun diejenigen, die ihn wieder einreißen. Ein Insider berichtet: "Wir haben damals extra Überstunden gemacht, damit der Radweg so perfekt wird. Und jetzt das." Er schüttelt den Kopf und mustert den frisch aufgerissenen Asphalt. "Nächstes Mal bauen wir halt einen Gehsteig, der breit genug ist für ein kleines Café."
Währenddessen wächst auf dem benachbarten Mistplatz Hernals eine neue Legende. Man munkelt, dass der zurückgebaute Asphalt dort zu einer monumentalen Skulptur verarbeitet wird. Vielleicht ein Denkmal für überdimensionierte Verkehrsprojekte? Oder ein Mahnmal für den Irrsinn der Stadtplanung? Fest steht nur: Die Baustelle wird zum Touristenmagneten.
Und die Radfahrer? Die haben sich längst angepasst. Einige nutzen den neu geschaffenen Raum für spontane Rad-Ball-Turniere. Andere sehen die Verengung gelassen: "Wenn ich schon nicht mehr im Breitformat fahren kann, dann halt im Hochformat." Ein dritter meint nur: "Hauptsache, die Baustelle hält bis zum Sommer. Da will ich mein Beachvolleyball-Training auf dem Asphalt wieder aufnehmen."
Die Stadtplaner haben bereits neue Pläne. Angeblich arbeitet man an einem Prototyp für den "flexiblen Radweg" - eine Art Rollband, das sich je nach Verkehrsaufkommen ausdehnt oder zusammenzieht. Bis dahin bleibt den Wienern nur die Hoffnung, dass der nächste Luxus-Radweg nicht wieder zum Luxus-Problem wird.