Wenn RB Leipzig auf die TSG Hoffenheim trifft, schaut ganz Deutschland zu - nicht wegen der sportlichen Klasse, sondern wegen der Frage, welches Team die ungeliebteste Mannschaft der Bundesliga ist. Das Duell wurde bereits als "Unbeliebtico" tituliert, eine Anlehnung an den beliebten "Klassiker" zwischen Bayern und Dortmund. Nur dass hier keiner "Klassiker" sagen möchte, ohne sich anschließend in die Hose zu machen vor Scham.
Die Ausgangslage ist klar: Beide Teams liegen punktemäßig dicht beieinander, aber im Beliebtheitsranking trennen sie Welten. Während Bayern und Dortmund seit Jahren unangefochten an der Spitze stehen, kämpfen Leipzig und Hoffenheim darum, wer den zweiten Platz der Verhasstheit ergattert. Es ist ein Rennen, das an Dramatik kaum zu überbieten ist - vergleichbar mit der Frage, ob man sich eher von einer Giftschlange oder einem tollwütigen Waschbären beißen lassen möchte.
Trainer Christian Ilzer hat eine geniale Strategie entwickelt: Er bringt extra österreichische Power ins Spiel. "Bei RB sind ja eh nur mehr Österreicher auf dem Platz, da kann man sich das Geld für deutsche Nationalspieler sparen", erklärte Ilzer in einem exklusiven Interview mit der nicht-existenten Sportzeitung "Der Ball liegt bei dir". Sein Plan: Durch möglichst viele österreichische Spieler die Zuschauerzahlen zu senken. Denn wenn die Deutschen sehen, dass auf dem Platz nur mehr Ausländer stehen, bleiben sie lieber zu Hause und schauen sich Bundesliga-Zusammenfassungen aus der Schweiz an.
Die taktische Ausrichtung ist dabei ebenso durchdacht wie absurd. Ilzer plant, seine Mannschaft in einer 9-1-Formation aufzustellen. Neun Spieler in der eigenen Hälfte, einer, der vorne rumsteht und aussieht, als wolle er was machen, und ein Torhüter, der während des Spiels heimlich Bundesliga-Manager am Tablet spielt. "Wenn wir 0:10 verlieren, aber dabei so langweilig gespielt haben, dass selbst die RB-Fans eingeschlafen sind, haben wir gewonnen", so Ilzers taktische Philosophie.
Auf der anderen Seite bereitet sich RB Leipzig akribisch vor. Die Verantwortlichen haben extra einen Motivationsfilm gedreht, in dem sie die Erfolge der österreichischen Spieler gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg nachspielen. "Wir müssen den österreichischen Spielern klarmachen, dass sie hier sind, um zu siegen, nicht um zu gefallen", sagte ein Vereinsvertreter, der anonym bleiben möchte, weil er selbst nicht glauben kann, was er da sagt.
Die Zuschauer werden mit einem wahren Spektakel der Unbeliebtheit belohnt. Wenn Xaver Schlager den Ball an Nicolas Seiwald weitergibt und dieser zu Christoph Baumgartner passt, werden die Zuschauer nicht jubeln, sondern kollektiv seufzen. Es ist der Klang der Gleichgültigkeit, der sich durch die Leipziger Arena zieht.
Am Ende wird es egal sein, wer gewinnt. Entscheidend ist, wer die Unbeliebtheitsskala anführt. Und da RB Leipzig schon länger dabei ist, Hoffenheim aber gerade einen Lauf hat, könnte es zu einer Überraschung kommen. Vielleicht werden die Hoffenheimer zum neuen Hassobjekt Nummer eins - bis zum nächsten Spiel, wenn sich beide Teams wieder gegenseitig die Ungeliebtheit streitig machen.