Es ist ein schrecklicher Anblick: Drei verdiente Schützen stehen ohne Tracht auf der Straße. Das hätte nicht passieren müssen, wenn man nur die Waffen ordentlich verstaut hätte. Aber nein, in Wald hat man offenbar die Waffen neben die Trachten gestellt, was bei den strenggläubigen Waffen-Befürwortern für Entsetzen sorgte.
Die Debatte eskaliert: Auf der einen Seite die Waffen-Puristen, die fordern, dass jeder Schütze seine Waffe ständig bei sich tragen muss, am besten im Schlafanzug. Auf der anderen Seite die Trachten-Radikalen, die meinen, die Waffen müssten unter der Tracht versteckt werden, damit die bösen Geister nicht sehen, dass man bewaffnet ist.
Kompanie-Hauptmann Daniel Eiter hat sich inzwischen entschuldigt. Nicht für das Waffenproblem, nein, für das Verhalten. Denn wer sich mit Waffen anlegt, muss auch mit dem Verhalten klarkommen. Oder so ähnlich.
Die Bundesleitung tagt am Samstag. Es wird erwartet, dass sie die Waffen entweder als modisches Accessoire oder als ernstes Problem einstuft. In jedem Fall wird es ein historischer Tag für die Schützenbewegung. Entweder man einigt sich auf eine neue Waffen-Tracht-Kombination oder man spaltet sich in zwei Lager: Die Waffen-Tragenden und die Waffen-Versteckenden.
Es ist ein Kampf um die Deutungshoheit. Wer bestimmt, wie man Waffen trägt? Die Trachten-Fanatiker oder die Waffen-Fanatiker? Vielleicht findet man ja einen Kompromiss und erfindet die Waffentracht. Eine Tracht, in die man die Waffe integriert. So etwas wie eine Art Waffen-Rucksack. Nur halt modischer.
Bis dahin bleibt Wald vorerst ausgeschlossen. Drei Mitglieder ohne Tracht, Waffen ohne Aufbewahrungsort. Ein trauriges Schicksal für eine Kompanie, die sich nicht entscheiden konnte zwischen Waffen und Tracht. Vielleicht sollten sie sich einfach eine neue Tracht nähen, in die man die Waffe integrieren kann. Dann hätten alle was davon.