Wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen, kommt die Krönung: In den USA haben sich ukrainische Unterhändler zwei Tage lang mit US-Vertretern zusammengesetzt, um an einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu feilen. Es war vermutlich eine der teuersten Kaffeepausen der Geschichte, bei der man sich gegenseitig mit der Frage herausforderte, wer den härtesten Espresso trinken kann. Am Ende stand die bahnbrechende Erkenntnis: Putin will den Krieg nicht beenden. Diese Erkenntnis ist so verblüffend wie die Entdeckung, dass Schnee in der Arktis kalt ist.
Glücklicherweise hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Telefonat mit den Unterhändlern in einer Videobotschaft die Dinge klar gestellt. Er erklärte, dass es entscheidend sei, was die Welt will. Die Welt, dieses nebulöse Konstrukt, das irgendwo zwischen Träumen und Alpträumen schwebt, soll sich also nun Gedanken darüber machen, ob sie den Frieden will oder nicht. Vielleicht könnte man die Welt ja in einees Umfrage beteiligen: "Liebe Welt, wünschst du Frieden oder Krieg? Antworte mit 'Ja' oder 'Nein'". So einfach könnte die Lösung sein.
Die Absurdität dieser Situation ist kaum zu überbieten. Man könnte fast glauben, dass die Unterhändler in Wirklichkeit nur darauf warten, dass Putin endlich müde wird und von selbst aufgibt. Doch das scheint nicht der Plan zu sein. Stattdessen wird weiter verhandelt, weiter gesprochen, weiter Kaffee getrunken. Vielleicht sollten sie einfach einmal einen echten Friedenstag einlegen, an dem alle Beteiligten einmal nichts tun, außer den Vögeln zu lauschen und sich zu fragen, warum Krieg eigentlich je eine Option war.
Und während die Welt sich weiter um ihre eigenen Angelegenheiten kümmert, könnte man fast vergessen, dass dort draußen Menschen leiden. Doch nein, das darf nicht passieren. Denn die wirkliche Pointe ist: Solange die Welt weiter ihre Shows schaut und ihre Kriege in der Ferne führt, wird der Frieden weiter auf sich warten lassen. Und das ist wohl der beste Beweis dafür, dass in dieser Welt nichts so bleibt, wie es ist, außer vielleicht die Hoffnung auf einen echten Frieden.