In der engen Gasse der Lienzer Spendenbetruegereien bahnt sich die naechste Sauerei an. Diesmal geht es um ein Buch. Nicht irgendein Buch, sondern ein Buch, das dem Krankenhaus angeblich geschenkt werden soll. Wie edel! Wie grosszuergig! Wie unverschaemt dreist!
Die Gauner schreiben in ihrer ominoesen E-Mail, man wolle mit Spenden einen Druck finanzieren, danach das Werk dem Krankenhaus Lienz ueberreichen. Was fuer ein Buch? Darueber schweigen sich die unbekannten Absender beharrlich aus. Vielleicht ein Kochbuch mit Rezepten fuer Krankenhausspeisen? Ein Gedichtband mit Liebesliedern an OP-Schwester Hilde? Oder schlicht ein paar leere Seiten mit dem Titel "Unser aufrichtiges Beileid"?
Das Spital reagiert empoert. Man habe mit der Aktion nichts zu tun und warne davor, Geld zu ueberweisen. Das ist so, als wuerde man jemandem vorschlagen, fuer einen Regenschirm fuer den Mars zu spenden. Wozu auch? Und wer ist dieser mysterioese Spender? Wahrscheinlich ein abgehalfterter Buchdruckpate mit Hang zu abenteuerlichen Geschichten.
Vor einem Jahr gab es schon mal aehnliche Spendenaufrufe. Damals warnte das Krankenhaus ebenfalls. Offenbar haben die Gauner eine Vorliebe fuer nostalgische Wiederholungstaten. Wie ein schlechtes Sequel eines Horrorfilms kehrt die Masche immer wieder zurueck. Diesmal mit dem Extra-Schrecken "Buchdruck".
Was auffaellt: Das Krankenhaus hat noch nie ein Buch bekommen. Nicht ein einziges. Keine Danksagung, keine Patientenpost, keine handgeschriebene Liebeserklarung von einem genesenen Infarktpatienten. Und jetzt soll ploetzlich ein ganzer Band gedruckt und gespendet werden? Das riecht nach Mogelpackung.
Die E-Mail selbst klingt wie aus einem Spam-Ordner der 90er-Jahre. Formulierungen wie "Ihre Spende macht den Unterschied" oder "helfen Sie mit, Hoffnung zu drucken" sind derart abgedroschen, dass selbst Oma Hildegard mit ihrem Heckenschneider misstrauisch geworden waere.
Fazit: Wer sein Geld liebt, sollte es nicht an unbekannte Buchpaten schicken. Wer sein Krankenhaus liebt, sollte es lieber direkt anrufen und fragen, ob es wirklich ein Buch moechte. Und wer gerne liest, sollte lieber in die naechste Buchhandlung gehen. Dort gibt es zumindest was auf die Seiten gedruckt - und keine Abzocker, die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen.