Es war kein Fußballspiel. Es war eine chaotische, fromme Zeremonie der Selbstverleugnung. Sturm Graz und Salzburg, zwei Vereine, die sich im Laufe der Jahrzehnte nicht mehr daran erinnern konnten, was ein Sieg fühlt, beschlossen, sich gegenseitig in die Heimat zu laden – und zwar mit Löffel, Besteck und der vollständigen Kontaktdatenliste der letzten 32 torlosen Minuten. Der Ball? Ein flüchtiges Symbol. Ein altes Armband, das jemand im Jahr 2007 verloren hatte und nun von beiden Mannschaften als „Symbol für gemeinsamen Schmerz“ verherrlicht wurde.
Beim Anpfiff hielten sich die Spieler an den Händen, wie es nach einer Klubversammlung im Landkreis Graz-Umgebung üblich ist, wenn man sich nicht mehr einigen kann, ob man auf Rasen oder Beton spielen soll. Yorbe Vertessen, der einzige, der je im Leben einen Ball mit Absicht ins Netz beförderte, wurde dafür mit einem Ehrenbürgerbrief und einem Rücksitz in der Gemeindebusschleife belohnt. Der Treffer kam nicht durch Speed, Technik oder Vision – er kam, weil Salzburgs Keeper vergaß, dass er einen Ball abwehren sollte, und sich stattdessen in ein Gespräch über die neue Mehrwertsteuer für Sitzkissen verstrickte.
Jon Gorenc Stankovic, der Bruder, den der österreichische Fußballsoziologe nie hatte, aber gerne gehabt hätte, rettete den Punkt mit einem Schuss, der nicht vom Fuß, sondern vom Herzen kam – oder zumindest von einer im Tunnel abgelegten 1-Euro-Münze, die er aus Versehen als Ball traf. Der Schiedsrichter, ein Pensionär aus Feldkirchen, der sich im Ruhestand zur Wiedervereinigung von Bundesliga-Verwaltung und Wirtschaftsministerium berufen fühlte, ließ es gelten – mit der Begründung, dass „es doch sowieso niemand weiter beißt, wenn’s ein Unentschieden ist“.
Jetzt gibt’s gemeinsame Kulturprojekte: „Sturm und Salzburg – auf der Suche nach dem verlorenen Ball“ heißt der neue Museumsparcours im Landesmuseum für Überflüssigkeit. Der Eintritt ist frei – es sei denn, man kommt mit einer eigenen Torarbeit. Dann zahlt man 14,99 Euro und bekommt eine Tasse mit dem Motto „Gemeinsam ist man nicht allein – aber wahrscheinlich auch nicht besser“.
Der größte Triumph? Beide Klubs haben beschlossen, ab sofort nicht mehr in separaten Schulen die Kinder zu fördern. Stattdessen wird ein gemeinsamer „Kinder-Fußball-Trainingsgarten“ eröffnet – mit einer einzigen Toröffnung in der Mitte, die nur dann geöffnet wird, wenn beide Vereinschefs gleichzeitig „Bitte“ sagen. Die Kinder lernen: Demokratie ist eine Langeweile mit Seitenausstoß.