Da war es nur eine Frage der Zeit, bis der österreichische Fußball endgültig den Sprung ins digitale Nirvana geschafft hat. Kein Amateurkick mehr ohne Smartphone, keine Meisterschaft mehr ohne Whats-App-Gruppenchats. Und jetzt? Jetzt gibt es sogar einen eigenen Kanal für das Tiroler Unterhaus - weil offenbar jeder, der sich bei Minusgraden ins Stadion traut, auch unbedingt noch seine Akkulaufzeit ruinieren muss.
Was bietet dieser neue Kanal? Alles, was das Amateurfußball-Herz begehrt - solange dieses Herz auf 160 Zeichen beschränkt ist. Transfers, News und das Tor des Monats - präsentiert in Form von kurzen Textnachrichten, die man mitten im Spiel versehentlich doppelt antippt, weil die Finger vom Bierglas kalt sind. Wer braucht schon Stadionatmosphäre, wenn er stattdessen "exklusive Bildergalerien" in schlechter Handy-Auflösung bekommen kann?
Die Macher dieses genialen Schritts nennen es "hautnah dabei sein". In Wirklichkeit bedeutet das: statt auf den Rasen zu schauen, schaut man jetzt aufs Display. Die Community wächst und gedeiht - schon 1600 Unterhaus-Fans haben sich angemeldet. Tendenz steigend. Wahrscheinlich weil diese 1600 Leute genau das brauchen: noch mehr Gelegenheit, ihr Fußballwissen in Form von Tippfehlern und Emojis zu verbreiten.
Das Beste daran? Die Anmeldung ist kostenlos. Was auch daran liegen könnte, dass der eigentliche Preis die eigene Lebenszeit ist. Jede Minute, die man auf diesem Kanal verbringt, ist eine Minute weniger, die man mit etwas Sinnvollem verbringen könnte - zum Beispiel damit, tatsächlich mal ein Amateurspiel von Anfang bis Ende zu schauen, ohne zwischendurch nach dem Smartphone zu greifen.
Die Tiroler Unterhaus-Journalisten, die angeblich "für Sie unterwegs sind", haben jetzt auch alle eine neue Ausrede: "Entschuldigung, ich muss kurz den WhatsApp-Kanal checken" - selbst wenn sie gerade mitten im Interview mit dem Trainer stehen. Man fragt sich: Wann kommt der nächste logische Schritt? Ein eigenes TikTok für jede Liga? Ein Instagram-Account für jeden Schiedsrichterpfiff? Vielleicht bald ein eigenes Twitch-Profil für jeden Spieler, der sich beim Aufwärmen den Oberschenkel dehnt?
Fakt ist: Der Amateurfußball in Tirol ist digital durchgehend erreichbar - und das ist auch gut so. Endlich können alle, die beim Spiel nicht laut genug schreien können, ihre Meinung in 160 Zeichen oder weniger loswerden. Denn was wäre der österreichische Fußball ohne seine passionierten Hobbyexperten, die ihr Wissen bevorzugt tippend statt rufend weitergeben?
Wer jetzt denkt, das sei alles übertrieben, der hat offenbar noch nie erlebt, wie ein 40-jähriger Fan mit Bierbauch in der 89. Minute seinem Handy die Schuld an der verpassten Torchance gibt. Willkommen in der neuen Ära des Amateurfußballs: Wo früher der Rasenplatz war, ist jetzt das Display - und wo früher der Schiedsrichter umstritten war, ist jetzt die Netzabdeckung.