Sie glauben, Wordle sei ein harmloses Online-Spiel? In Tirol hat man die Dinge anders geregelt. Hier nennt man es nicht mehr Wordle, sondern Tördl - und das ist nicht nur ein sprachlicher Ausrutscher, sondern Staatsdoktrin.
Während anderswo Menschen noch darüber rätseln, ob sie "Brot" oder "Butter" eingeben sollen, sitzen die Tiroler vor ihren Bildschirmen und versuchen, den ultimativen Dialekt-Begriff zu erraten. Sechs Versuche, um den Code zu knacken. Sechs Versuche, um zu beweisen, dass man Tiroler ist. Sechs Versuche, um nicht als Fremder enttarnt zu werden.
Die Spielregeln sind simpel: Errate das gesuchte Wort aus einem unserer Artikel in sechs Versuchen. Klingt harmlos, oder? Falsch gedacht. Hier geht es nicht um englische Alltagsworte, sondern um tiefe Einblicke in die Seele Tirols. Wörter wie "Griassdi", "Servas" oder "Madln" wechseln sich ab mit echten Herausforderungen wie "Gmoa" oder "Krapfen".
Die Spieler berichten von schlaflosen Nächten, in denen sie vor ihren Bildschirmen hocken und überlegen, ob das gesuchte Wort eher aus dem Inntal oder dem Unterland stammt. Manche schwören darauf, die Zeitung rückwärts zu lesen, um Hinweise zu finden. Andere behaupten, die Antwort stehe schon im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Besonders hart trifft es die Zugezogenen. Die arme Frau Müller aus Hamburg sitzt verzweifelt vor ihrem Laptop und versucht herauszufinden, was ein "Goas" sein könnte. Ihr Mann, ein waschechter Tiroler, grinst nur und sagt: "Mei Goas, des is jo kloan!" Frau Müller überlegt, ob sie sich bei der nächsten Gemeinderatssitzung für ein neues Spiel einsetzen soll: "Finde das englische Wort in sechs Versuchen - extra für Zugezogene."
Die Spielentwickler sitzen derweil in ihren Büros und überlegen, wie sie das Spiel noch schwieriger machen können. Gerüchten zufolge arbeitet man an einer "Experten-Version", in der nicht nur das Wort erraten werden muss, sondern auch der genaue Ort in Tirol, aus dem es stammt. Wer "Krapfen" richtig als Inntaler Variante identifiziert, bekommt Extrapunkte. Wer "Topfen" als Osttiroler Spezialität erkennt, steigt sofort auf.
Kritiker bemängeln, das Spiel führe zu einer neuen Spaltung der Gesellschaft. Es gebe inzwischen zwei Gruppen: Die, die Tördl spielen können, und die, die es nie lernen werden. Letztere werden schon jetzt an den Dorftheken gemustert und gefragt: "Wer bistn du eigntlich, dass du des nid weißt?"
Die Bildungsbehörden überlegen ernsthaft, Tördl als Pflichtfach in den Lehrplan aufzunehmen. Wer die Schule abschließt, muss nachweisen, dass er in sechs Versuchen Wörter wie "Mordsgscheit" oder "Fesch" erraten kann. Wer durchfällt, muss Tirol verlassen - oder wenigstens ins benachbarte Bayern ziehen.
Und was passiert, wenn man das Wort nicht errät? Dann erscheint ein Bild von Hermann Maier mit strengem Blick und der Ansage: "Des nächste Mal wirds ernster!" Manche Spieler berichten, dass sie nach einer falschen Antwort plötzlich Dialekt lernen müssen - per Zwangstherapie im Wohnzimmer.
Tördl hat Tirol fest im Griff. Wer nicht mitspielt, ist raus. Wer mitspielt, schläft schlecht. Und wer gewinnt, darf sich offiziell Tiroler nennen - zumindest bis zum nächsten Rätsel.