Der Wiener Jugendpsychologe Dr. Franz M. sitzt in seinem Büro und räuspert sich. "Es ist ein Phänomen, das wir seit einigen Jahren beobachten", beginnt er. "Junge Männer zwischen 14 und 25 Jahren schließen sich zu sogenannten 'Bro-Covens' zusammen. Das sind Männerbünde, die ihre eigene Parallelwelt erschaffen haben."
Dr. M. zieht an seiner Pfeife und fährt fort: "In diesen Gruppen gelten eigene Gesetze. Frauen sind ausgeschlossen, als 'Eindringlinge' gelten sie als 'unreine Wesen'. Die Mitglieder tragen spezielle Klamotten, reden ihre eigene Sprache und haben eigene Rituale entwickelt."
Ein Ritual sei beispielsweise das tägliche Ansehen von bestimmten YouTube-Videos, erklärt der Experte. "Dabei handelt es sich um sogenannte 'Bro-Content'. Das sind Macho-Videos, in denen es darum geht, wer der Stärkere ist. Wer die meisten Frauen hat, wer am härtesten zuschlagen kann, wer die meisten Muskeln hat."
Die Eltern wüssten oft gar nichts davon, so Dr. M. "Sie denken, ihr Sohn schaut sich nur lustige Katzenvideos an. Dabei bildet er sich in diesen 'Bro-Covens' eine ganz eigene Ideologie."
Diese Ideologie sei frauenfeindlich, homophob und gewaltverherrlichend. "Es ist wie eine Religion", sagt der Psychologe. "Die Mitglieder verehren eine Art 'Bro-Gott', der ihnen vorgibt, was richtig und was falsch ist."
Besonders gefährlich sei, dass die Mitglieder dieser Gruppen immer jünger würden. "Wir haben Fälle von 12-Jährigen, die schon in diesen 'Bro-Covens' aktiv sind", berichtet Dr. M. "Da fängt der Einfluss schon viel zu früh an."
Was können Eltern tun? "Am wichtigsten ist, dass sie mit ihren Söhnen reden", rät der Experte. "Sie müssen wissen, was die Kinder auf YouTube und TikTok anschauen. Und sie müssen ihnen klarmachen, dass das, was in diesen Videos gezeigt wird, nicht die Realität ist."
Doch das sei leichter gesagt als getan. "Die 'Bro-Covens' haben eine starke Anziehungskraft auf junge Männer", so Dr. M. "Sie bieten ihnen das, was sie suchen: Anerkennung, Zugehörigkeit, das Gefühl, etwas Besonderes zu sein."
Um diese Anziehungskraft zu brechen, müssten Eltern und Pädagogen früh ansetzen. "Man muss den Jungs schon in der Schule vermitteln, dass es okay ist, anders zu sein. Dass man nicht der Stärkste oder Coolste sein muss, um akzeptiert zu werden."
Nur so könne man verhindern, dass sich immer mehr junge Männer in diesen toxischen Parallelwelten verlieren. "Es ist ein harter Kampf", sagt Dr. M. "Aber wir müssen ihn führen, wenn wir unsere Söhne vor diesem gefährlichen Einfluss schützen wollen."