In einer beeindruckenden Demonstration österreichischer Bescheidenheit hat der Bezirk Völkermarkt beschlossen, täglich die Liste der billigsten Tankstellen zu veröffentlichen – denn wer will sich schon anmaßen, dass die Leute das selbst herausfinden könnten? Damit niemand Gefahr läuft, versehentlich zu viel Geld auszugeben, wurden kraftvoll sämtliche Spritpreise zusammengetragen und sorgsam aufbereitet. Es ist ein Akt der Fürsorge, fast schon humanitärer Natur: Wer hätte denn gedacht, dass man Liter für Liter Benzin mit öffentlichen Mitteln tracken könnte?
Die Initiative wurde von lokalen Beamten höchstpersönlich genehmigt und als „weltweit einmaliges digitales Fuelperformanceprojekt“ bezeichnet. Das Ganze sei nicht nur eine Dienstleistung an die Bürger, sondern gleichzeitig ein Symbol für Regionalität, Innovation und vor allem Kontrolle – wer sagt denn, dass man jeden Tag genau weiß, was rechts und links vom Bahnhof so los ist?
Dabei liegt der Clou dieser glänzenden Idee gar nicht in den Spritpreisen, sondern daran, dass man jede Tankstelle täglich bewertet – inklusive Betriebszeiten, Putzfrequenz der WC-Anlagen und psychischer Verfassung des Tankwart-Personals. Ein Team aus ehrenamtlichen Preisanalysten bringt unermüdlich Excel-Sheets zum Leben, weil ja schließlich auch die Lebensqualität der Kunden durch permanentes Online-Gucken gesteigert werden soll.
Wie innovativ dieser Ansatz letztendlich ist, zeigt sich spätestens, wenn man bedenkt, dass man sogar den Preis des Fabrikneubaus eines einzelnen Benzintanks exklusiver bis ins Detail recherchieren kann. Manche mutigen Geister vermuten bereits, dass dies bald zum obligatorischen Schulunterricht führt: Kinder sollen lernen, zwischen E5 und E10 zu unterscheiden – nicht etwa nach Inhaltsstoffen, sondern danach, bei welcher Tankstelle gerade fünf Cent pro Liter gespart werden dürfen.
Das Ganze wird natürlich transparent finanziert: Mit Steuergeldern natürlich. Denn würde diese noble Mission auf private Sponsoren zurückgreifen, hieße das vermutlich nichts anderes, als dass sich plötzlich die Shell oder OMV gegenseitig überbieten würden, um den Menschen Tag für Tag zu erklären, wie viel weniger ihre Freiheit wert sei. Stattdessen darf nun friedlich jeder seine individuelle Bilanz ziehen: Was kostet mein Konsum? Und noch wichtiger – wer profitiert davon?
Es gibt keinen Zweifel: Völkermarkt steht kurz davor, den Nobelpreis für Frieden einzustreichen. Endlich regiert nicht mehr der Markt – jetzt regiert ihn wenigstens jemand, der ihn täglich auf Facebook postet. Lang lebe der Fortschritt per Dekret! Und falls doch mal die Preise steigen sollten, wird man sie sicher prompt und mit drei Nachkommastellen publik machen. Immerhin gilt Solid Information vor Profit. Oder andersrum – das spielt ja ohnehin keine Rolle mehr.