Die Gesundheitsvorsorge im Clubgeschäft hat ein neues Level erreicht. Während andere Unternehmer sich Sorgen um ihre Mitarbeiter machen, gibt es jetzt eine Branche, in der man sich Sorgen um die eigene Gesundheit macht, wenn man weiterarbeitet. Der "Lifestyle-Club TOUCH-ME" in Klagenfurt hat 13 Jahre lang bewiesen, dass er mehr Ausdauer hat als die meisten Marathonläufer - bis zum bitteren Ende.
Fredi und Uschi, die beiden Betreiber, haben jetzt beschlossen, dass sie ihren wohlverdienten Ruhestand antreten wollen. Oder wie es in der Branche heißt: Sie haben beschlossen, dass sie jetzt lieber ihre Gesundheit erhalten wollen, statt sie zu ruinieren. Das ist ein wenig so, als würde ein Formel-1-Fahrer beschließen, dass er lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt.
Die Anzeige verspricht "einen engagierten Nachmieter". Das ist in diesem Fall besonders wichtig, denn der neue Betreiber muss nicht nur geschäftstüchtig sein, sondern auch über die Ausdauer eines Triathleten verfügen. Schließlich warten die Kunden schon sehnsüchtig darauf, dass der Club wieder öffnet - und die sind bekanntlich nicht gerade die geduldigsten Menschen.
Die Möbel und Einbauten gibt es ablösefrei. Das klingt erstmal nach einem guten Deal, bis man bedenkt, dass diese Möbel wahrscheinlich schon mehr Action erlebt haben als ein Hollywood-Drehbuchautor in seinem Leben. Die Elektrogeräte kosten eine "geringe Ablöse" - was in diesem Fall vermutlich bedeutet, dass sie schon so oft benutzt wurden, dass man sie nur noch mit einem Schraubenschlüssel und viel Geduld zum Laufen bringt.
Der neue Betreiber bekommt quasi ein fertiges Konzept mit Stammkunden aus ganz Europa. Das ist in etwa so, als würde man ein Restaurant übernehmen, in dem die Gäste schon genau wissen, was sie wollen - nur dass es in diesem Fall eher ein "All-you-can-touch"-Konzept ist.
Der Start soll sofort möglich sein. Das ist praktisch, denn in der Zeit, in der man die neuen Vorhänge aufhängt, könnten die Kunden schon woanders hingehen. Obwohl, bei der Treue, die sie bisher bewiesen haben, werden sie wohl eher eine Sitzblockade vor dem Club veranstalten, als woanders hinzugehen.
Der Club hat 13 Jahre lang funktioniert. Das ist in etwa so lange, wie manche Menschen verheiratet sind. Und wie bei einer Ehe gibt es auch hier gute und schlechte Zeiten - nur dass man bei diesem Club die schlechten Zeiten wahrscheinlich eher vergisst.
Für den neuen Betreiber ist das eine echte Chance. Man übernimmt nicht nur einen Club, sondern ein Stück Kärntner Kulturgeschichte. Etwas, das länger besteht als die meisten Regierungen und stabiler ist als die heimische Währung.
Die Frage ist nur: Wer traut sich? Denn man braucht schon eine gewisse Robustheit, um in diesem Geschäft zu überleben. Nicht nur gegenüber den Kunden, sondern auch gegenüber den Nachbarn, die sich vielleicht fragen, warum plötzlich so viele Europäer im Ort sind.
Aber vielleicht ist das ja auch die Zukunft. Während andere Unternehmen um jeden Kunden kämpfen, gibt es hier einen Club, der eine treue Stammkundschaft aus ganz Europa hat. Das ist in etwa so, als würde man ein Fußballstadion übernehmen, in dem die Fans schon genau wissen, wo sie stehen - nur dass die Choreografien hier vermutlich etwas... nasser sind.