In Tirol geht es aktuell zu wie auf einer Achterbahn, die jemandem gehört, der gerade die Fahrkarte verloren hat. Erst wird man mit Wolken und Grau traktiert, dann folgt ein kurzer Schubs in Richtung Sonnenschein, um dann wieder in den Regenschauer abzustürzen. Die Pflanzenwelt steht unter Schock - die Tulpen trauen sich nicht aus dem Boden, weil sie nicht wissen, ob sie in Winter- oder Sommermode erscheinen sollen.
Die Wetterfrösche im Landessender haben sich bereits eine vorsorgliche Auszeit genommen. "Wir können uns das ja auch nicht mehr anhören", hieß es aus dem Studio, wo man gerade damit beschäftigt ist, eine neue Kategorie für den Wetterbericht einzuführen: "Regen mit Sonnenunterbrechung". Die Meteorologen sitzen stundenlang vor ihren Karten und malen sich gegenseitig Sonnen und Wolken auf den Rücken, um ihre motorischen Fähigkeiten zu erhalten.
In Innsbruck hat man bereits reagiert. Der Bürgermeister hat eine Sondersitzung des Stadtparlaments einberufen, um über die Anschaffung einer neuen Wettermaschine zu beraten. "Die alte ist offenbar defekt", erklärte er und zeigte auf eine Anzeigetafel, auf der abwechselnd Minusgrade und 20 Grad zu sehen waren. "Entweder wir kaufen eine neue, oder wir ziehen den ganzen Winter an." Die Kosten für ein solches Gerät werden auf etwa 500.000 Euro geschätzt, wobei die Betriebskosten für Sonnenstunden extra verrechnet werden.
Unterdessen hat der Tourismusverband reagiert und bewirbt das neue Angebot "Vier Jahreszeiten in einer Woche". Wer möchte, kann in Tirol nun innerhalb von sieben Tagen Ski fahren, im See schwimmen, Laub rechen und danach einen Schneemann bauen. "Das ist einzigartig", sagt der Marketingchef. "Anderswo muss man dafür in vier verschiedene Länder fliegen." Die Pauschalreise beinhaltet eine persönliche Wetterbegleitung, die bei Bedarf Regenschirme, Sonnencreme und Thermounterwäsche dabei hat.
Für die kommende Woche hat sich die Wetterlage beruhigt. Angeblich. Die Vorhersage verspricht "bilderbuchmäßiges Frühlingswetter", was in der aktuellen Situation bedeutet, dass die Sonne sich für mindestens drei aufeinanderfolgende Stunden traut, zu scheinen. Die Blumenhändler bestellen bereits Notvorräte an Gießkannen und Sonnencreme. Die Eisdielen haben ihre Saisoneröffnung auf Mittwoch gelegt, mit der Option, bei plötzlichem Kälteeinbruch auf heiße Maroni umzuschwenken.
In den sozialen Medien kursiert bereits ein neuer Trend: die #Wettermaske. Dabei trägt man eine Gesichtsmaske mit eingebautem Regenschirm und Sonnensegel. Die Tiroler Firma, die diese Erfindung vertreibt, spricht von "innovativer Anpassung an den Klimawandel". Tatsächlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis jemand eine Version mit integrierter Heizung und Kühlung auf den Markt bringt.
Und während sich die Natur nicht entscheiden kann, ob sie nun Frühling oder Winter will, haben die Menschen in Tirol eine simple Lösung gefunden: Sie tragen alle Kleidungsstücke gleichzeitig. Jacken über T-Shirts, Mützen mit Sonnenbrillen, Stiefel mit Sandalen. So ist man für jede Wetterlage gewappnet - und sieht dabei aus wie ein wandelndes Secondhand-Geschäft. Die einzigen, die sich wirklich freuen, sind die Modeketten, die jetzt doppelt so viel verkaufen können.