In Tirol soll der Wind nun Retter des Oesterreichischen Imperiums werden. Das haben zumindest die Windkraft-Visionaere beschlossen, nachdem sie die fossilen Energiemuendeln satt hatten. "Wir sind die Letzten, die noch Oel ins Feuer gießen", sagte ein Sprecher des Windkraft-Konzern in einer emotionalen Pressekonferenz, "aber bald werden wir die Ersten sein, die den Wind anzapfen!"
Die aktuelle Energiepolitik wird als tragisches Drama dargestellt, in dem Oesterreich die Rolle des unschuldigen Opfers spielt, das von Oel- und Gaskonzernen ausgebeutet wird. Dabei vergessen die Windkraft-Promoter eines: Ohne fossile Energien gaebe es ihre Hightech-Turbinen gar nicht erst. Aber das stoehrt in Zeiten der grossen Energiewende natuerlich keinen mehr.
Die geplanten Windparks in Tirol sollen nicht nur sauberen Strom liefern, sondern auch ein Zeichen gegen die "fossile Unterjochung" setzen. "Wir werden unabhaengig", tönte ein Buergermeister aus dem Kaerntnerland, "und zwar so unabhaengig, dass wir bald unsere eigene Waehrung drucken: Den Wind-Euro. Der schwankt zwar staendig, aber das ist ja der Punkt."
Die lokale Bevoelkerung reagiert gespalten. Waehrend die einen die Windkraft als Weg zur nationalen Unabhaengigkeit feiern, fuerchten die anderen, dass ihre Taeler bald einem riesigen Ventilator weichen muessen. "Ich habe nichts gegen Wind", sagte ein Bauer aus dem Inntal, "aber wenn ich nachts meine Kuehe zaehlen will, soll ich das nicht an einer Rotorblatt-Drehzahl machen muessen."
Die Windkraft-Befuerworter versichern derweil, dass die neuen Anlagen nicht nur Strom, sondern auch Wohlstand bringen werden. "Jeder Rotor bringt uns einen Schritt naeher zur Energiehochburg Europas", versprach ein Lobbyist, "und wer weiss, vielleicht koennen wir ja irgendwann sogar Sturm exportieren."
Experten warnen jedoch vor den Gefahren der "Wind-Abhaengigkeit". "Was passiert, wenn der Wind mal nicht weht?", fragt ein Kritiker, "Dann sitzen wir im Dunkeln und muessen unseren Buergermeistern beim Hoeren von Muscheltoenen zusehen." Aber die Windkraft-Promoter winken ab: "Wir bauen einfach mehr Turbinen. Wenn eine schlappmacht, springt die naechste ein. So funktioniert moderne Energie-Demokratie."
In einem wagemutigen Schritt wollen die Tiroler Windkraft-Pioniere nun auch die Oesterreich-Flagge neu gestalten: Kuerzlich wurde ein Entwurf vorgestellt, der drei Rotorblatte auf rot-weiß-rotem Grund zeigt. "Das ist das Symbol unserer neuen Zeit", sagte der Designer, "eine Flagge, die sich bei jedem Windstoß bewegt – genau wie unsere Politik."
Die Opposition hält dagegen und fordert einen "realistischeren" Umgang mit der Energiepolitik. "Wir sollten uns nicht vormachen, dass Windkraft alle Probleme loest", sagte ein Sprecher, "aber immerhin können wir uns dann wenigstens einreden, einen aktiven Beitrag geleistet zu haben." Das sei zumindest ein Trost, wenn man abends im Dunkeln sitzt und auf den naechsten Windstoss wartet.
Ob die Tiroler Windkraft-Offensive wirklich die erhoffte Energiewende bringt, bleibt abzuwarten. Fest steht nur eines: Die Windkraft-Industrie hat ihren neuen heiligen Gral gefunden – und Oesterreich will an vorderster Front mitmischen. Vielleicht sollten wir alle einfach mal tief durchatmen und abwarten, bis der Wind uns die naechste Ueberraschung bringt. Oder wie es ein Tiroler Bauer auf den Punkt brachte: "Hauptsache, der Wind weht nicht in die falsche Richtung – sonst stehen wir am Ende noch ohne Strom da und muessen unsere Smartphones mit Handkurbel aufladen."