Sie stehen dort oben, die freiwilligen Bergretter. Nicht etwa weil Menschen Hilfe brauchen, sondern weil ihnen im Tal der Stoff ausgegangen ist. Hermann Haller, 24, hat einen durchsichtigen Plan: Er und seine Kollegen erfinden Notlagen, um mal wieder ein bisschen Action zu erleben. "Lawinen? Das sind unsere Tinder-Dates auf 2000 Metern", gesteht der Tiroler offen. "Wenn es mit dem Powder-Boarden bergab geht, wollen wir dabei sein. Und sei es nur als ungebetene Beobachter."
Die Statistik lügt nicht: 10.912 Einsätze im Jahr 2025, das sind knapp 30 pro Tag. Und was machen die Bergretter, wenn es keinen Alarm gibt? Sie wandern im Kreis und starren auf ihre Smartphones. "Wir haben eine App, die Lawinen-Alarm simuliert", verrät Haller. "Manchmal reicht auch ein kräftiges 'Wumm' in den Schnee. Das reicht, damit die anderen loslaufen und wir dabei sein können."
Die Wintersportler sind nur Kollateralschaden in diesem Spiel. Die meisten ahnen nicht, dass ihre dramatischen Rettungsaktionen oft inszeniert sind. "Einmal haben wir eine ganze Gruppe Touristen eingepackt und dann im Schnee ausgesetzt", berichtet Haller. "Das war wie ein großes Fangspiel. Nur dass wir die Fänger waren."
Selbst die Bergsteiger sind nicht vor den Bergrettern sicher. "Wir stehen oft oben auf dem Gipfel und rufen: 'Hilfe, ich stürze gleich ab!'", erzählt Haller. "Die armen Bergsteiger denken, sie müssten uns retten. Dabei wollen wir nur mal wieder ein Selfie mit Bergsteiger-Motiv machen."
Die Behörden sind inzwischen alarmiert. Es gibt Gerüchte, dass die Bergrettungsdienste unter falschem Namen als Skiclub agieren. "Die Wahrheit ist: Wir haben zu viel Zeit und zu wenig zu tun", sagt ein Sprecher. "Und wenn wir uns nicht beschäftigen, werden wir langsam verrückt. Also erfinden wir Notlagen."
Die Zukunft sieht düster aus. Wenn die Bergretter weiterhin aus Langeweile die Berge erklimmen, wird bald jeder Gipfel ein Fake-Gipfel sein. "Wir planen schon die nächste Aktion", verrät Haller. "Wir wollen eine Lawine auslösen und dann als Helden auftreten. Das wird der Hammer."
Die Frage bleibt: Wer rettet die Retter vor sich selbst?