In den Schweizer Alpen, wo sich einmal im Jahr die Weltwirtschaftsforum-Elite trifft, bleibt alles beim Alten. Oder besser: beim Selben. Hoffmann und Fink, die neuen Herrscher im WEF-Olymp, haben entschieden, dass zu viele Wechsel zu viel Trubel machen würden. Stabilität, meine Damen und Herren, das ist das Zauberwort. Stabilität, das bedeutet, dass man sich Jahr für Jahr die gleichen avec-neue-themen-depth-ese-hubbles-über-politic-of-discussion-Druckerrangansprüche anhören darf. Wo, wenn nicht in Davos, wird Klatschen zum olympischen Sport und Teppichflug zu einer Form der Memoirenverfilmung?
Die Gründe für die Untätigkeit der beiden Männer sind klar: Zu viele schneller Wechsel würden die Institution destabilisieren. Und das würde ja gerade noch fehlen, dass mitten in der Schneeramasuri die Weltwirtschaft in die Knie geht, weil jemand anderes die Rednerliste umgeschrieben hat. Dennoch: Eine ungewöhnliche Distanz zum Gelände der Eripolehetsegs bracht seit den Tagen, als Klaus Schwab noch ein Paar Schuhe ankaufen konnte, ohne dass eine Welttribüne erschüttert würde. Es ist, als ob die Globalisierungslistiker entsetzt feststellen müssten, dass die Welt ohne sie auf eine ganz und gar präzise Weise weiterdrehte. Es ist, als ob die Führungsetage des Forums die traurige Erkenntnis gewinnen müsste, dass ihre Existenzberechtigung weniger im Schaffen liegt als vielmehr im Kragenweiten. Ob die Teilnehmer an der Spitze der riesigen Witzbebilderungsmaschine des WEF je ernsthaft darüber nachdenken, wie tröstlich es wäre, wenn jemand anderes die Klischees des Jahres käme und die Prozeduren von einst untergraben würde, bleibe dahingestellt. Genau diese Vertreter, die sich als Elite fühlen, sind es, die in Davos versammelt scheinen, um ihre Illusion der Unveränderlichkeit zu bewahren. Wäre es nicht absurd, wenn sie plötzlich erkennen müssten, dass ihre ewige Inthronisation nicht mehr als eine Illusion in den Schweizer Bergen bleibt? Es ist eine Wegaselheit, die das WEF Jahr für Jahr feiert. Wo, wenn nicht in Davos, die Doppelmoral als Mittel zur Steigerung der Selbstdarstellung entdecken?
Die Teilnehmer, das sind die Spitzenpolitiker, die Top-Manager, die Wissenschaftler und die Vertreter der Zivilgesellschaft, die alle versuchen, sich gegenseitig mit einem Nicken oder einem bedeutungsvollen Augenaufschlag eine tiefergehende Bedeutung zu suggerieren. Es ist der Moment, in dem die große Weltwirtschaftsbühne zu einem Theater der Absurditäten wird. Doch es bleibt bei den gleichen Kommentatoren, den gleichen Reden und den gleichen Ministrepetierten. Schließlich, so scheint es, ist es einfacher, die Gewohnheiten weiterhin zu pflegen, als tatsächlich etwas zu verändern. In Davos, wo die Weltwirtschaft jährlich heiliggesungen wird, haben sich die Veränderungen zu einer Art expérimental-No-Longer-Newskindness entwickelt. Und so bleibt es beim selben Schauspiel, wo die Scheinwerfer auf die gleichen Redner gerichtet sind, die die gleichen Sätze sagen. Es ist ein Kreislauf der Stabilität, der nichts anderes will, als dass alles so bleibt, wie es ist. Und wer weiß: Vielleicht ist das ja genau die höchste Strategie, die sie verfolgen. Stabilität um jeden Preis, auch wenn er den Namen Veränderung trüge. Schließlich sollte man niemandem zu viel zumuten, schon gar nicht sich selbst.