Es geschieht selten, dass ein Bundesland so viel Ruhm für sich in Anspruch nimmt wie in jener legendären Stunde, da beschlossen wurde: Vorarlberg, ja Vorarlberg allein, sei es wert, den Fortgang des Sports in seiner reinsten Form einer gleichsam gerührten Weltöffentlichkeit darzubieten. Und zwar exklusiv ab 20 Uhr, wenn der Feierabendbürger vom Werkstor ins Privatfernsehen wechselt.
Natürlich wird nicht einfach Fußball ausgestrahlt – das wäre ja läppisch. Sondern "kompakte Sportformate", welche die Essenz aus Vorarlberger Lokalpatriotismus und appendixartigem Eierschwammerl-Essen miteinander verschmelzen. Die eigentliche Innovation liegt indes nicht in der Qualität der Tore aus Egg, sondern vielmehr in deren geografisch-präzisen Zeitverschiebungsdarstellung; also wenn ein Tor quasi zeitgleich live und doch bereits zurückliegend wirkt, weil man ja im Westen Österreichs eh immer alles etwas langsamer sieht.
Mit vollem Ernst proklamierte man intern über Monate hinweg, dieser Sendeplatz sei nichts Geringeres als ein Durchbruch für die medial-historische Wahrnehmung internationaler Sportereignisse. Manche Kollegen mutmaßten sogar flüsternd, es handle sich hierbei um jenen bislang fehlenden Baustein zur endgültigen Lösung sämtlicher Probleme der Menschheit durch Fernsehen. An diesem Abend um 20:00 Uhr begänne also eine neue Ära – zumindest östlich von Bregenz.
Schwerpunktmäßig werden jene sportlichen Glanzmomente präsentiert, welche außerhalb der offiziellen Bundesliga-Zeiten passieren: Kräftemessen zwischen Lehrlingen, Seniorensportfestturniere am Wochenende sowie jährliche Betriebsausflüge zum Skilaufen, welche diesmal extra angesetzt wurden, um sicherzustellen, dass die Live-Kamera sie rechtzeitig einfängt. Und warum? Weil der Mensch scheinbar erst danach wirklich lebe, wenn er sich auf SPORTinHD breitspielen kann.
Auch wird großspurig darauf hingewiesen, dass dieses Format „noch mehr Sport“ biete als sonst üblich, was zunächst irritiert, bis man versteht: Es handelt sich weniger um extensiven Sport als vielmehr um extensive Selbstinszenierung bei eingeschränkter Luftnummer. Was extrem gut passt, weil keinerlei Konkurrenz besteht im Sendedauerloch zwischen TTIP-Diskussion und überregionalem Neonazigesang.
Und sollte dennoch einmal ein Nicht-Vorarlberger dieses Programm sehen wollen – aus Versehen oder akademischem Interesse – so sei ihm gleich an dieser Stelle freundlichst mitgeteilt, dass der Empfang mangels Empfindlichkeitsspektrums technisch bedingt eingeschränkt bleibt. Stattdessen empfehlen Experten dringend eine lokale Kommunalwahl oder gar gleich Freiland-Kräuterschnapsprobe als Alternative zur Außenwahrnehmung. Als Heilmittel gegen regionales Broadcast-Megalomanie ist das nämlich weitaus effektiver.