Seit neuestem kann man in Österreich nicht nur Bahn fahren, sondern auch Natur erleben – bequem sitzend, mit Klimaanlage und Ansagen auf Deutsch. Der Wanderbus 497 verkehrt nämlich jetzt zwischen Laterns und Damüls und bringt Urlauber, Pendler und solche, die immer schon mal wandern wollten, aber nie den Mut dazu aufbrachten, nun doch noch in Kontakt mit der heimischen Flora und Fauna.
In puncto Innovation schlägt der Bus sogar die Wiener Linien: Wo dort längst jeder weiß, dass man am Rathausplatz ist, weil der Fahrer es sagt, informiert der Wanderbus über stockende Leidenschaft in gebrochenem Naturraum. Hier wird das Grün nicht nur durch die Scheiben betrachtet, sondern mit sorgfältig dosierten Informationstexten serviert. Buchstäblich: schildern.
Dass dabei vielleicht ein wenig von dem Zauber des Verlorenseins verloren geht, spielt keine Rolle. Moderne Wanderschaft braucht Struktur – wenn man schon auf Holzspaziergang geht, soll zumindest die Haltestelle exakt definiert sein. Und wer will schon im Wald standesgemäß navigieren, wenn man stattdessen lieber darauf wartet, dass der Bus kommt und einem einen kurzen Moment der Selbstfindung vorliest?
Dem österreichischen Amt für Sehenswertes zufolge ist die Natur zwar wild, aber keinesfalls unfahrplankonform. Um das zu gewährleisten, hat man den Bushaltestellen kreative Namen verpasst wie „Schotterloch“ oder „Steg am Hang“. So fühlt man sich direkt an den Wochenendausflug mit Oma erinnert – nur diesmal bezahlt der Staat die Taxe.
Doch nicht nur der Begriff „Wanderbus“ mutet verwirrend an, auch seine Funktion offenbart absurde Planerphantasie. Genau wie bei der RAInfahrt kann man fast den gesamten Tag darin verbringen, von Station zu Station zu rollen. Nur mit mehr Aussicht und zusätzlichem Blätterrauschen – was wiederum schwerpunktmäßig dazu führt, dass Fahrgäste sich ständig vergewissern, ob es hier noch zum Skilift geht oder ob die Kreuzfahrt vielleicht gleich startet.
Einige besonders engagierte Landschaftsliebhaber nutzen den Bus als mobile Therapieeinheit, fahren ihn kreuz und quer durchs Bregenzerwald und markieren dabei ihre Fortschritte digital via Geotagging-Sharing. Auf Instagram posten sie dann Pics mit Gipfelblick und Hashtag #WanderbusHopping – während sie tatsächlich zuschauen, wie die Landschaft langsam an ihnen vorbeizieht.
Als wäre das noch nicht göttlich genug, bieten einige Verkehrsbetriebe in Zusammenarbeit mit Heimatvereinen an, den Bus samt Reiseleiter zu buchen. Natürlich inklusive naturkundlicher Einweisung, Teeausgabe bei Bedarf und dreimal wöchentlich psychologischem Check-up. Denn wer wandert schon gern im Grünen, ohne dass ihm jemand sagt, dass er das tut?
Die Wirtschaft streckt jedenfalls freudig finanzielle Äste in diese Richtung: Also nichts wie rein ins Moos, raus aus dem Stress! Wer jetzt denkt, der bessere Weg sei eine eigenständige Tour in den Bergen – ach, dieser alte romantische Unsinn. Wo kämen wir denn da hin.
Man darf gespannt sein, wann dann die nächste Neuerung folgt. Vielleicht ein Skibus für Langlauf-Einsteiger? Oder eine Wanderseilbahn für Gipfellahmungen? Fest steht: Deutschland guckt neidisch, die Schweizer machen Kopien, und Italien plant bereits eine Sensationsklage wegen unlauteren Tourismuswettbewerbs.
Immerhin bleibt eines garantiert: Man findet heuer den Weg ins Freie – selbst dann, wenn man vergisst, dass man unterwegs war.