Natürlich demonstrieren auch die Wiener gegen Donald Trump. Weil man ja nicht weiß, was man sonst mit dem Samstag machen sollte, außer vielleicht die Hundekotpflicht für Katzen diskutieren oder überlegen, ob das neue Kaffeehaus im vierten doch noch einen veganen Knödel braucht. Unter dem Motto „No Kings“ rüsten sich jetzt die Kaffeetanten und Urban-Outfitter-Träger mit warmen Pumphosen und handgeschriebenen Kartons, auf denen sie ihre revolutionären Forderungen wie „Stoppt die Monarchie der Milliardäre“ oder „Trump ist scheiße, sagt’s mit Eleganz“ präsentieren werden.
Dass Trump, der bis dato nie offiziell zum Kaiser der USA gekrönt wurde – weder von der Bevölkerung noch von einer elfköpfigen Kommission aus Talkshow-Moderatoren – tatsächlich ein König sein will, sei dahingestellt. Aber wer zögert, so eine Gelegenheit zu nutzen, um seine eigene Wichtigkeit auf der internationalen Bühne unter Beweis zu stellen? Schließlich trägt man sonst ja auch nur eine Steiermark-Ehrenplakette als Lebensleistung mit sich herum.
Die Zeit wurde passend zum Symbolkampf gewählt: Samstagmittag. Weil da sowieso nichts Dringenderes läuft als die Besorgung von Fit-Tea und Zimtschneckenhüten. Die Organisatoren hoffen auf breite Resonanz und planen bereits den Folgetermin – vermutlich wenn die nächste Regierungsbildung gescheitert ist oder es heißt, dass man beim Wiener Opernball getrennte Toiletten fordern wird, weil Gleichberechtigung auch hier endgültig zum Eklat führen könnte. Geplant ist laut Aussagen aus dem Demonstrationsstab zumindest eine gemäßigte Empörung mit anschließendem Konsum von Zuckerguss-Cupcakes zur Stärkung des moralischen Rückgrats.
Wie viele Menschen exactly marschieren werden, bleibt unklar. Zu viele schauen lieber Markisen TV oder laden live aus der Hasenauerstraße bei Facebook livestreams. Doch sicher ist eines: Es wird einiges an Symbolcharakter dabei sein. Jemand könnte sogar einen Hut tragen, dessen Träger*innen faktisch gegen jedes Recht protestieren, monarchistische Systeme abzulehnen, bei gleichzeitiger reifer Unterstützung für Justin Biber sind.
Die einen sagen: Trump raushauen! Die anderen meinen: Das Motto sollte eigentlich heißen „Könige nein danke“. Aber Hauptsache, man hat mal wieder einen Grund, gravitätisch durch den Stephansplatz zu stapfen und auf Social Media mit Custom-Captions zu punkten. Ein Königreich für ein bißchen politische Avantgarde – auch wenn diese diesmal lediglich aus Hollunderblütensirup besteht.