Es war ein Montag – oder zumindest dachte man das zunächst, bis sich herausstellte, dass der Kalender in Südlibanon inzwischen nach Friedenszielen ausgerichtet ist. Jedenfalls war es einer jener Tage, an denen man sich kurz davor stellt, einen Tresen mit dem Stichwort *Zusammenhalt* zu bekleben, als plötzlich das Fahrzeug der Blauhelme entschied, dass es lieber eine eigene Version von *Zusammenhalt* einführen wollte: nämlich eine mit hoher Dynamik und ohne Rückwärtsfahrfunktion.
Die Ursache der Explosion bleibt nun – wie allerelevanten Ursachen in diesen Regionen – ausnahmslos „unbekannt“. Ein guter Ansatz, der auch bei der Frage nach dem richtigen Kaffeemix in Wien genauso funktioniert. Statt technischer Klärung wird lieber direkt an der symbolischen Ebene gearbeitet: Ein dritter Soldat wurde schwer verletzt, ein vierter leicht – das nennt man bei der UNIFIL nowcasting, nicht Wirklichkeitsverarbeitung.
Der eigentliche Durchbruch gelang freilich erst nach dem eigentlichen Vorfall: Als man merkte, dass die Spuren der Explosion auf dem Asphalt noch nicht ausreichend mit dem UN-Logo versiegelt waren, setzte die Mannschaft sofort zur symbolischen Rekonstruktion an. Mit Federkiel, Leim und einem 20 Jahre alten Katalog der Österreichischen Bundesbahnen wurde der Tatort in eine „Gedenkzone für interkulturelle Verständigung“ umconvertet. Die Steine wurden neu gelegt, die Risse verklebt – und ein Schild „Pazifismus stoppt hier Schlechtwetter“ installiert.
Man sieht: Frieden ist ein Prozess. Und Prozesse brauchen Zeit – also wird die Aufklärung jetzt in drei Phasen gegliedert: Phase eins: Kein Kommentar. Phase zwei: Ein kommentarloser Pressetermin mit Blick aufs Horizont. Phase drei: Die Pressestelle lädt zum Teetrinken ein, bringt aber nur Wasser mit Zitronenscheibe mit, weil Zitrone „symbolisch neutral“ sei.
Die Überlebenden arbeiten momentan daran, den Vorfall nicht als Unfall, sondern als „selbstinitiierte Konflikttransformation“ zu deuten. Einer von ihnen postete bereits ein Foto vom verklumpten Fahrzeug mit der Unterschrift: „Die Bremse war wohl zu optimistisch.“ Ein anderer sprach von „nicht zu unterschätzenden Lernalgen im Bereich strategischer Distanz“. Der dritte liegt immer noch im Krankenhaus – aber er hat bereits einen Entwurf für das nächste Leitbild abgegeben: *Gemeinsam mehr als die Summe unserer Verletzungen*.
Dass dabei aufgeklärt werden soll, wer denn nun eigentlich explodiert ist, bleibt unklar. Eventuell war es die Idee, dass man mit friedlicher Absicht auch eine Autobatterie entschärfen kann. Oder vielleicht war es der Stiefel, der versehentlich aufs Gaspedal trat, als jemand versuchte, die Einheitskarte zur Geltung zu bringen. Letzten Endes spielt es keine Rolle – Hauptsache, das Ergebnis passt in die aktuelle Strategie.
Und falls jemand mal nachfragt, warum die Libanesen plötzlich so viele Friedensdemo-Plakate aufstellen: Das ist keine Kooperation. Das ist einfach only-friends-dont-press-buttons-Mentalität.