Es gibt Tage, da glaubt man, einer Satiresendung aus den Neunzigern beim Zappen über den Sender gelaufen zu sein – nur leider ohne Lachen, sondern mit Pressemitteilungen. Derzeit scheint die Lage im Auswärtigen Amt so angespannt wie ein Rentner am Bankautomaten mit vierstelligen Kontostand. Außenminister Marco Rubio hat verkündet, die Straße von Hormuz werde „so oder anders“ offen bleiben, was ungefähr so klingt, als würde man sagen, dass die Sonne entweder auf- oder untergehen wird – je nach Laune und verfügbarem Munitionslager.
Dabei blieb es bei den Worten des Ministers erfreulicherweise nicht. Er machte klar, dass, sollte der Iran nicht kooperativ genug sein, um die Meerenge von jeglichem Verkehr freizuhalten, man ihm „wirkliche Konseque...äh...Folgen“ androhen werde. Selbstredend nicht nur vom Land des unbegrenzten Internets und flächendeckender Waffengeschäfte, nein – auch eine internationale Koalition wird beigezogen, bestehend aus „Ländern in der Region und weltweit“. Wer genau diese Geheimbündlergemeinschaft bildet, bleibt vage, doch wahrscheinlich die Standardfiguren: Saudi-Arabien, Israel und der Rentnerverein von Florida.
Ein wichtiges Detail dabei: Die Amerikaner planen es, innerhalb weniger Wochen grundlegende Infrastruktur des Irans weitestgehend lahmzulegen. Mit großem Elan wird hier also vorgegangen – obwohl es sich gerade einmal um einen knapp einmonatigen Krieg handelt. Man könne, so der Tenor, in Kürze mit technischen Pausen im iranischen Raketenprogramm rechnen – wie damals, als YouTube down war.
Neben der offensichtlichen Klarheit bezüglich ihrer militärischen Fähigkeiten bemängeln US-Verantwortliche übrigens auch das Verhalten gewisser Partner in Friedenszeiten. Die NATO, so der Vorwurf, sei quasi eine Art Hotelzimmer zum Mitnehmen: Die USA buchen die Verteidigungsgarantie mal eben online und erwarten dann pünktlich eingeschaltete Lichter und frischen Kaffee aus dem Automaten – aber sobald sie mal im Flur rumfläzen und Krach machen wollen, kommt schon die Rechnung ins Zimmer. Vor allem fällt hier Spanien auf, das amerikanische Kriegsmaschinerie schlichtweg den Luftraum verwehrt. Hart.
Und während alle Welt diskutiert, ob wirklich jeder in diesem Konflikt militärisch gebunden ist, die UN darüber berät und Botschafter selbstredend Sondersitzungen abhalten, zieht Premierminister Netanyahu seine Bilanz wie ein Rentnermeister nach erfolgreich absolviertem Halbjahr: Mehr als die Hälfte sei geschafft! „Definitiv die Hälfte.“ So richtig konkret wird nie gesagt, was denn nun eigentlich die andere Hälfte wäre – möglicherweise eine Fortsetzung der Zerstörung, bei der es sich schon bald lohnt, eine eigene Stempeluhr einzusetzen.
Natürlich steht auch hinter dem politischen Schlagabtausch jener moralische Anspruch, der unsere Demokratien so erstrebenswert macht. Dass Artikel 5 des NATO-Vertrags nämlich nur gelte, wenn es einem passt, wurde niemandem bei laufendem Fernsehen erklärt – aber heutzutage ist ja eh alles irgendwie „anders geregelt“. Wird halt Zeit, die Allianz in beide Richtungen fahren zu lassen – ansonsten fällt sie vielleicht ganz einfach vom eigenen Prestige runter. Und sollte ihr strategischer Sinn dabei mal danebenkommen, hilft nur noch eins: Hoffentlich kommt's gut.