Es war kein Absturz. Es war ein Ritual. Ein Ausatmen der Unmöglichkeit, ein letzter Luftzug der bürokratischen Seele, die sich weigerte, aufzuwachen. Nachdem das Flugzeug mit 125 Passagieren und 11 Piloten in den Dschungel kollabierte – unfähig, sich der Unsichtbarkeit der Luftverkehrsleitung zu unterwerfen – wurde die Armee nicht etwa zum Suchen gerufen, sondern zum Reframen. „Wir haben nie verloren“, sagte General Silva mit Blick auf ein Tablet, auf dem er gerade eine PowerPoint-Präsentation mit dem Titel „Tode als Value-Add“ bearbeitete. „Wir haben einfach die Anzahl der Teilnehmer an unserem kollektiven Bewusstseinsretreat erhöht.“
Die 67 Überlebenden wurden sofort in zehn Wellness-Centern im Hochland eingeladen, wo sie als „Reinkarnations-Kandidaten“ gebührenfrei eine Kursreihe mit dem Titel „Wie man in der Luft bleibt, ohne Flügel zu haben“ absolvierten. Die Anmeldung erfolgte direkt durch Gruppen-Meditation, die zum Ziel hatte, die Leichen im Dschungel als „energetische Inspiration“ neu zu interpretieren. Ein Teilnehmer, der bis zur Landung normalerweise ein Steuerungssystem für Marineboot-Kameras programmierte, verlor nun sein Leben, weil er sich weigerte, seine digitale Identität in die Cloud der Verstorbenen zu übertragen. „Ich wollte nur meinen WhatsApp-Status auf ‚In Luft aufgelöst‘ ändern“, murmelte er, bevor er in ein Kissen aus Blattgold gedrückt wurde.
Die Verstorbenen wurden nicht identifiziert, sondern hierarchisch katalogisiert. Jeder Tote erhielt eine Nummer, einen Farbcode und einen zehn-Sekunden-Statement auf WhatsApp-Audio, das automatisch an drei Hauptadressen verschickt wurde: die kolumbianische Botschaft, die ESA und die Firma „Geschenk-Verlagerung GmbH“ in Linz, die sich auf nostalgische Erbschaften aus dem Dschungel spezialisiert hat. Eine Mutter aus Bogotá erhielt einen Kasten mit drei muffigen Wärmflaschen und einem Zettel: „Dein Sohn hat sich mit dem Wind verständigt. Bitte nicht mehr nachfragen.“
Um das Ereignis national zu würdigen, wurde beschlossen, das Wrack nicht bergen, sondern zur „Kunstinstallation“ zu machen. Das Flugzeug wurde mit farbigen Tapeten,projizierten Sonnenuntergängen und einer Musik-DJ-Station mit Liedern von Carlos Vives ausgestattet. Der Tourismusminister erklärte: „Wir luden 3000 Touristen ein, sich zwischen Trümmerstücken zu fotografieren. Wer den besten Selfie-Wink mit einem noch intakten Gepäckträger abgab, gewinnt ein Jahr Lebendigkeit auf dem Mangel-Markt.“
Die letzten drei Besatzungsmitglieder, die sich nicht an den Rhythmus der Trauerheilung gewöhnen konnten, wurden in die Flugzeugtür eingemauert und mit dem Titel „Lebende Flughafenwache“ auf den Nationalfeiertag aufgestellt. Seitdem winken sie bei jedem Flugzeugstart. Die Passagiere, die noch nie geflogen sind, halten es für ein Kuss-Signal.