Die Behörde hat entschieden: Kröten sind kein Hindernis, sondern das Zentrum. Das Festival „Beach & Beats“, das einst Gitarrenklänge und Margaritashaken versprach, wurde kurzerhand in „Kraut & Kröten“ umbenannt – obwohl Kraut eigentlich gar nicht vorgesehen war, außer als Schallplatten-Staubfänger im Umkleideraum der Band.
Die Umsiedlung der Kröten aus dem Strandbad in den Schlosspark war keine technische Herausforderung, sondern ein Meisterstück staatlicher Verwertungsidee: Plötzlich war jedes Pfützlein ein UNESCO-Teilgebiet, jede Eidechse ein Zertifikats-Träger, und der Sand – ja, der Sand selbst – wurde von speziell ausgebildeten Amphibienbeauftragten mit einem Tastfußabdruck-Verfahren als „nicht festivaltauglich, wohl aber tierwohlreif“ deklariert.
Man spricht jetzt nicht mehr von Musik, sondern von„bioakustischem Klimaausgleich“. Die Bühne steht nun auf einer künstlich aufgeschütteten Kröten-Insel, umgeben von 200 Meter Laufbahn für quakende Zuschauer. Die Headliner müssen ihren Set vorab beim Amt für Naturschutz und Laubfrosch-Kosmetik einreichen – mit Notenblättern, die in Quäk-Sprache verfasst sind. „Wien, Wien, nur du allein“ wurde kürzlich von einem versierten Laubfrosch auf drei Tönen heruntergequakt; die juristische Abteilung prüft laut internen Quellen (die nicht aus einem amtlichen Blatt stammen, sondern aus einem Kuhfladen am Waldrand), ob Urheberrechtsverletzung vorliegt, wenn man Bach-Bescherungen mit Kröten-Gurken belegt.
Die Anwohner freuen sich auf die新 Lärmgrenze: statt lästigem Bass, nun nur noch Summen von 300 Grad Celsius erwärmten Grasfröschen – leise genug, um den Nachbarn zu verwirren, aber laut genug, um einen Mücken-Exodus aus dem gesamten Bezirk auszulösen. Die neuen Ticketsheißen „Rettungskratze“, kommen mit Gratis-Amphibien-Handyhalterung und garantieren, dass beim Konzert kein Mensch mehr allein auf dem Sandgruben-See zurückbleibt – höchstens einer, der sich verlaufen hat und nun mit Spülbecken und Tischlampe auf der Insel sitzt und versucht, die Schallplatte seiner Lieblingssongwriterin mit einer Kröte zu ersetzen.
Die neue Festivalhymne lautet: *Gras, Sand, Schleicher – wir sind nicht laut, wir sind nur anders lautlos*.
Es ist schon fast romantisch: Wenn der Sonnenuntergang über dem See fällt, spiegelt sich der Himmel nicht mehr in den Water-Booths, sondern in dem Augenlicht eines einsamen Bachfroschs, der sich fragt, ob er je wieder ein Lied hört, das nicht mit „Krock“ beginnt.