Es ist wieder soweit: Der Palmsonntag rückt an, und mit ihm die momentane Unklarheit, ob man nun die Uhr vor- oder zurückstellen soll. Doch keine Sorge, die Kirche hat bereits klargemacht, dass die Stunde, die wir verlieren, die wichtigste des Tages sein wird. Schließlich hat uns die katholische Kirche schon so manchen Verzicht beigebracht, ob Fastenzeit oder andere Opferspielchen. Da ist eine Stunde Schlafverlust nur ein weiteres Kapitel in der ewigen Schlacht zwischen Körper und Seele.
Unsere Politiker, die sonst vor nichts zurückschrecken, um sich selbst zu profilieren, behaupten jetzt, die Zeitumstellung diene dem Verwirrungschaos. Tatsächlich, jedes Jahr die selbe Nummer, jedes Jahr die gleiche Entschuldigung. Und die Öffentlichkeit? Die hat sich daran gewöhnt, dass ab jetzt die Uhren nicht mehr stimmen. Schließlich sind wir eines der wenigen Länder, wo dieser Wahnsinn noch institutionalisiert wird. Andere Länder haben das längst eingestellt, aber wir nicht. Weil wir halt anders sind. Nun ja, zumindest in diesem Chaos sind wir Weltmeister.
Die Folgen für den Körper? Natürlich gibt es welche. Schlappheit, Müdigkeit und ein allgemeines Gefühl des Unbehagens. Doch das ist nichts im Vergleich zu den geistigen Qualen, die uns der gesunde Menschenverstand verursacht. Schließlich ist die Stunde Schlafverlust nur ein weiteres Symptom dafür, dass wir in einer Welt leben, in der niemand mehr genau weiß, was wirklich wichtig ist. Aber keine Angst, die nächste Erklärungswelle der Behörden kommt bestimmt.
Die Kirche hingegen sieht das alles mit einem Augenrollen. Schließlich ist Palmsonntag ein Feiertag, und da darf es auch ruhig ein bisschen Durcheinander geben. Wer jetzt denkt, dass das Chaos endet, wenn Ostern vorbei ist, der irrt. Denn dann gibt es schon wieder etwas Neues, das uns den Alltag versaut. Oder wie heißt es so schön: Nach dem Palmsonntag folgt der Osterhase. Und der ist bekanntlich auch nicht für Pünktlichkeit bekannt.