Salman Rushdie ist ein Mann der klaren Worte - und der klaren Absagen. Als ihm die Bürgermeisterin von Heidenreichstein eine Geburtstagstorte zum Jubiläum überreichte, winkte er ab: "Danke, aber ich halte nichts von runden Geburtstagen. Die bringen nur Unglück." Die Torte wanderte stattdessen zu den Festivalgründern Rudolf und Christine Scholten, die sich sichtlich freuten. Man kennt das ja: Schriftsteller sind meist eher mager, da müssen die Veranstalter einspringen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen konnte wegen Krankheit nicht persönlich erscheinen und ließ seine Kabinettsdirektorin Grüße ausrichten. In der Videobotschaft betonte er, autoritäre Systeme hassten Geschichten und ihre Verfasser. "Aber die Geschichten werden überleben", so Van der Bellen. Man fragt sich, ob er dabei an die Geschichte von Hänschen Klein dachte, der nicht nach Haus' wollte. Die könnte man ja durchaus als subversiv bezeichnen.
Rushdie selbst las aus seinem Buch "Knife. Gedanken nach einem Mordversuch", in dem er das Attentat von 2022 verarbeitet. Dabei zeigte er sich überraschend gelassen. "Der 12. August ist für mich kein Anlass zum Feiern", meinte er. "Aber ich bin lieber da als nicht da." Das nennt man wohl einen klaren Fall von Positivdenken.
Auf die Frage, ob Rückzug eine Option gewesen wäre, reagierte Rushdie empört: "Das wäre sehr langweilig!" Man stelle sich vor, Salman Rushdie sitzt in seinem Garten, strickt Socken und gärtnert. Nein, das passt einfach nicht zu ihm. Lieber liest er aus seinen Werken vor und plaudert mit Journalisten.
Besonders charmant fand ich seine Aussage zum Attentäter: "Er ist im Gefängnis und ich bin in Heidenreichstein." So kann man's auch sehen! Rushdie betonte, er wolle dem Täter keine unnötige Aufmerksamkeit widmen. Stattdessen setzt er sich für die Freiheit von Rede und Kunst ein - aber ohne sich zum Symbol zu stilisieren. "Ich stehe nicht mit einer Fackel am Hafen wie die Freiheitsstatue", sagte er. Da hat er wohl recht. Eine Statue mit einem Messer im Rücken wäre wohl auch nicht besonders einladend.
Nach dem Gespräch signierte Rushdie bereitwillig seine Bücher. Das nenne ich mal Kundenservice! Da können sich manche Popstars eine Scheibe von abschneiden. Insgesamt war es ein gelungener Abend voller trockener Humor und klarer Worte. Und der Nebel? Der kam wohl erst später, als alle schon im Bett lagen. So ist das eben mit dem "Literatur im Nebel" - manchmal stimmt das Ambiente, manchmal nicht. Aber Hauptsache, die Geschichten kommen an. Und die werden, wie Van der Bellen sagte, überleben.