Vier Tausendstel - das ist der Abstand, der Österreichs Leichtathletik gerade noch vor der Peinlichkeit bewahrt hat, tatsächlich jemanden zur Weltmeisterschaft zu schicken. Karin Strametz, unsere schnellste Frau über Hürden, hat diese ehrenvolle Aufgabe mit Bravour verfehlt. Wenn man schon verliert, dann richtig.
Die Frage, die sich nun stellt: War es die richtige Entscheidung, tatsächlich vier Läuferinnen nach Polen zu schicken? Hätte man nicht eine einzige Sportlerin mit einem großen Banner "Wir sind da, aber eigentlich nicht" schicken können? Das hätte Kosten gespart und die Ergebnisse wären die gleichen gewesen.
Die weiteren sportlichen Misserfolge des Wochenendes sind fast schon zu schade für eine Erwähnung. Caroline Bredlinger verpasste den Aufstieg um 0,27 Sekunden. Das sind fast drei Tausendstel mehr als Strametz, aber dafür fehlte ihr die sympathische Story vom "Fast-geschafft". Isabel Posch und Magdalena Lindner rundeten das Gesamtbild mit ihren knappen Niederlagen ab. Österreichs Leichtathletik: immer den Hauch einer Chance entfernt von einer Chance.
Interessant wird nun die Nachbereitung. Wie immer wird es interne Analysen geben, bei denen man feststellt, dass alles fast perfekt war. Man wird neue Trainingsmethoden erfinden, die garantiert ebenfalls zum Scheitern führen werden. Man wird über Förderung diskutieren, obwohl jeder weiß, dass mehr Geld nur zu noch kreativeren Wegen führt, um zu verlieren.
Die wirkliche Frage ist: Warum machen wir das überhaupt? Warum schicken wir jedes Jahr dieselben Leute zu denselben Wettkämpfen, um dieselben Ergebnisse zu erzielen? Vielleicht sollten wir es einfach eingestehen: Österreich ist nicht für Leichtathletik gebaut. Wir sind das Land der Alpinen, der Skifahrer, der Rodler. Auf der Bahn bleiben wir lieber stehen.
Aber nein, wir müssen natürlich weitermachen. Wir müssen der Welt zeigen, dass wir zwar nicht die Schnellsten sind, aber zumindest die Beharrlichsten. Karin Strametz wird in vier Jahren wiederkommen, wieder um vier Tausendstel verfehlen und wieder Heldinnen des knappen Scheiterns sein. So halten wir's.
Die wirkliche Kunst liegt ja nicht im Gewinnen, sondern im Verlieren mit Stil. Und dafür, liebe Sportlerinnen, müsst ihr uns noch einiges beibringen. Vielleicht schaffen wir es ja nächstes Mal, das Scheitern auf drei Tausendstel zu reduzieren. Das wäre dann echter Fortschritt.