Wenn das Leben dir 101 Jahre gibt, mach Sekt daraus. So koennte das Motto der Neunkirchner Jubilarin lauten, die am Donnerstag ein weiteres Jahrzehnt ueberlebt hat, das die meisten von uns nur als Zahl auf einer Gedenkmuenze kennen. Buergermeister Peter Teix liess es sich nicht nehmen, persoenlich vorbeizuschauen und damit zu beweisen, dass man auch mit 101 noch etwas erreichen kann - naemlich einen Buergermeister in den eigenen vier Waenden zu versammeln.
Die Blumen, die er mitbrachte, waren wahrscheinlich ein Versuch, die eigene Geruchswahrnehmung zu verbessern. Denn wer in einem Raum mit einer 101-Jaehrigen, ihrem Pflegeteam, Tochter und Schwiegersohn sitzt und dazu noch Sekt trinkt, braucht alle Hilfe, die er kriegen kann. Der Buergermeister scheint das zu wissen - und hat deshalb auch gleich die Ehrengabe der Stadt dabei. Was genau das ist? Wir wissen es nicht. Aber wahrscheinlich etwas, das man nicht essen, trinken oder zu Geld machen kann, aber trotzdem stolz in die Vitrine stellen darf.
Der Geburtstag selbst verlief wie jeder gute oesterreichische Geburtstag: mit Kaffee, Sekt und Sachertorte. Die Torte, diese wunderbare Erfindung, die so saftig ist, dass sie sogar Buergermeister zum Schweigen bringen kann. Man stelle sich vor, der Buergermeister haette einen schlechten Witz erzaehlt - die Sachertorte waere eingesprungen und haette den Raum mit Schokolade erfuellt, bis der Witz vergessen war.
Die Jubilarin selbst schien den Tag zu geniessen, obwohl sie seit ihrem 95. Lebensjahr nicht mehr alleine lebt. Fünf Jahre lang hat sie den Haushalt selbst erledigt, dann hat sie wohl gemerkt, dass es auch ohne geht. Eine kluge Entscheidung, denn wer will schon mit 95 noch staubsaugen, wenn man stattdessen Sekt mit dem Buergermeister trinken kann?
Das Team im Pflegeheim war ebenfalls anwesend, was beweist, dass Teamarbeit auch im Alter funktioniert. Sie haben wahrscheinlich die ganze Woche darauf hingearbeitet, die Jubilarin in einen Zustand zu versetzen, in dem sie dem Buergermeister gegenueberstehen konnte, ohne einzuschlafen. Eine Leistung, die mehr Anerkennung verdient haette als die Ehrengabe der Stadt.
Am Ende des Tages war klar: Das Altern ist eine Kunst, die man mit Sekt, Sachertorte und Buergermeister-Besuchen meistern kann. Wer weiss, vielleicht feiert die Jubilarin naechstes Jahr ihren 102. mit einem Bundesprasidenten. Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt genug Ehrengaben auf Lager hat.