In Zeillern ist man stolz auf seine Effizienz. Als die Volkspartei einen neuen Obmann wählen musste, dauerte die ganze Veranstaltung gerade einmal 20 Minuten. Das ist selbst für niederösterreichische Verhältnisse rekordverdächtig. Normalerweise dauert es bei solchen Anlässen mindestens eineinhalb Stunden, bis alle ihre Meinung gesagt haben und die Kaffeetassen leer sind.
Aber in Zeillern scheint man es mit der Demokratie nicht allzu genau zu nehmen. Man wählte Philipp Baumgartner einstimmig zum neuen Obmann, ohne dass es auch nur eine Gegenstimme oder eine Enthaltung gegeben hätte. Das ist natürlich sehr demokratisch, aber auch ein bisschen langweilig. Wo bleibt da der spannende Machtkampf, die dramatischen Reden, die hinterhältigen Manöver? In Zeillern offenbar nicht.
Dafür gab es als Gastredner Landesrat Anton Kasser, der über aktuelle Entwicklungen in Niederösterreich referierte. Das klingt erstmal interessant, aber in Wahrheit war es wohl so spannend wie das Beobachten von wachsendem Gras. Kasser redete über den Gesundheitsplan 2040+, wirtschaftspolitische Themen und die diskutierte Situation rund um niederösterreichische Gastpatientinnen und -patienten in Wiener Kliniken. Das sind alles wichtige Themen, aber in Zeillern hat man wohl schon lange beschlossen, dass man sich damit nicht weiter aufhalten will.
Denn nach 20 Minuten war die Wahl vorbei und alle konnten nach Hause gehen. Das ist natürlich sehr praktisch, aber auch ein bisschen traurig. Wo bleibt da die Geselligkeit, das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen, das Knüpfen neuer Kontakte? In Zeillern offenbar nicht. Hier wird nur gearbeitet, und zwar möglichst effizient.
Das ist natürlich sehr lobenswert, aber auch ein bisschen einseitig. Denn Politik ist nicht nur Arbeit, sondern auch Unterhaltung, Spannung, Emotion. In Zeillern scheint man das vergessen zu haben. Hier wird nur noch gearbeitet, und zwar möglichst schnell und ohne Umwege.
Aber vielleicht ist das ja auch gut so. Denn wer weiß, was passiert wäre, wenn die Wahl länger gedauert hätte. Vielleicht hätte sich ja noch jemand gefunden, der gegen Baumgartner opponiert hätte. Vielleicht hätte es ja noch Reden und Gegenreden gegeben, Dramen und Skandale. In Zeillern ist man da wohl lieber auf der sicheren Seite.
Also: Herzlichen Glückwunsch an Philipp Baumgartner zu seiner neuen Position als Obmann der Volkspartei in Zeillern! Möge er seine Aufgabe mit der gleichen Effizienz und Zielstrebigkeit ausüben, die man in seiner Heimatgemeinde zu schätzen weiß. Und möge er nie vergessen, dass Politik auch Spaß machen kann - auch wenn es nur 20 Minuten dauert.