Endlich, nach 211 langweiligen Saisons, hat der Musikverein Graz die Kurve gekriegt. Statt weiterhin die üblichen Verdächtigen mit ihren üblichen Verdächtigen-Werken durchzuwinken, setzt man jetzt voll auf Natur. Ja, richtig gelesen: Natur. Als ob wir Steirer nicht schon genug Natur hätten, müssen wir uns jetzt auch noch die durch Mahlers 3. Symphonie um die Ohren hauen lassen. Aber hey, wer will schon Vogelgezwitscher hören, wenn er stattdessen ein ganzes Orchester imitierten Vogelstimmen lauschen kann?
Intendant Michael Nemeth, der sich offenbar im stillen Kämmerlein zum Naturburschen gemausert hat, erklärt uns allen, was wir schon immer wussten: Musik und Natur sind tief miteinander verwoben. Wow, danke für diesen Erkenntnisgewinn. Als Nächstes wird er uns wohl erklären, dass Wasser nass ist und dass der Stefaniensaal nicht gerade der wärmste Ort ist, wenn draußen -10 Grad Frost herrschen.
Doch damit nicht genug. Weil ein Thema ja bekanntlich langweilig ist, hat man sich gedacht: Warum nicht noch eins draufsetzen? Also her mit der Wiener Klassik! Im Beethoven-Jahr 2027 wird der gute alte Ludwig van mit mehreren Konzerten gefeiert. Man fragt sich, ob er das noch miterleben kann oder ob er sich im Grab umdreht vor lauter Auftritten. Aber keine Sorge, Mozart kommt auch nicht zu kurz. Es gibt ein Mozart-Fest, ein Kammerkonzert mit dem Titel "Mozart. Ernsthaft?" und ein Überraschungskonzert der Philharmonix. Überraschung? Mehr wie Schocktherapie für alle, die dachten, sie könnten mal eine Pause von den österreichischen Klassikern machen.
Doch halt, da ist ja noch was: Komponistinnen! Ja, richtig gehört, Frauen, die Musik schreiben. Wer hätte das gedacht? Maddalena Lombardini Sirmen, Lera Auerbach, Rebecca Clarke – klingt fast so exotisch wie die Speisekarte in einem Veganer-Restaurant. Aber hey, besser spät als nie, oder? Vielleicht entdecken wir ja eine neue weibliche Beethoven, die uns alle vor lauter Emotionen in Tränen ausbrechen lässt.
Und weil man ja nicht nur auf die alten Säcke setzen will, holt man sich auch noch internationale Stars ins Haus. Placido Domingo, María José Siri, Daniel Ottensamer – klingt fast so, als würde man eine internationale Telefonkonferenz abhalten. Aber nein, das sind alles Musiker, die uns mit ihrem Können beeindrucken werden. Oder zumindest ihre Agenten, die ihnen diese Auftritte verschafft haben.
Aber der Musikverein Graz hat auch an die Jugend gedacht. Familienkonzerte, Schulprogramme, Workshops – es wird alles daran gesetzt, die nächste Generation an die klassische Musik heranzuführen. Denn was gibt es Besseres, als Kinder schon früh an die Schönheit von Mozart und Beethoven zu gewöhnen? Vielleicht entdecken wir ja das nächste Wunderkind, das uns alle in den Schatten stellt. Oder wir schaffen es endlich, Oma und Opa von ihrem Vorurteil gegenüber moderner Musik zu befreien.
Mit rund 31.000 Besuchern pro Saison bleibt der Musikverein Graz ein zentraler Treffpunkt für Musikliebhaber. Ob sie nun wegen der Musik kommen oder wegen der Heizung im Stefaniensaal, sei dahingestellt. Aber eins ist sicher: Hier trifft Tradition auf frische Ideen und Graz wird einmal mehr zur Bühne für große Klänge. Und wenn wir Glück haben, vielleicht sogar für ein oder zwei Ohrwürmer, die uns noch lange nach dem Konzert verfolgen werden.