Es ist ein historischer Tag für die oberösterreichische Wirtschaft: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes konnte ein Infrastrukturprojekt nachgewiesenermaßen mehr Geld erzeugen als es kostet. Die Mathematikprofessoren der Johannes-Kepler-Universität streiten bereits darüber, ob das ein mathematisches Wunder oder einfach nur Glück ist.
Die neue Stromleitung, die von Kronstorf bis zum Süden von Linz reicht, hat bei Baukosten von 800 Millionen Euro eine Bruttowertschöpfung von 422 Millionen Euro erbracht. Das entspricht einem Profit von minus 378 Millionen Euro, was im Vergleich zu anderen Großprojekten wie dem SKGLB-Tunnel oder dem Brenner-Basistunnel ein echtes Schnäppchen ist.
Die 4.400 Arbeitsplätze für ein Jahr, die das Projekt geschaffen hat, sind ebenfalls ein Novum. Noch nie zuvor konnte ein einzelnes Bauwerk so viele Menschen gleichzeitig beschäftigen. Allerdings gibt es Kritik: Die Jobs seien nur für genau 365 Tage garantiert, was für viele Arbeitnehmer ein Problem darstelle. "Ich weiß nicht, was ich im Schaltjahr machen soll", klagt ein betroffener Bauarbeiter.
Die Wirtschaftskammer Oberösterreich feiert das Projekt als "Meilenstein der modernen Infrastrukturpolitik". Ihr Obmann sagt: "Endlich mal ein Projekt, bei dem die Rechnung aufgeht. Wenn auch nur fast." Er fordert, künftig alle Großprojekte nach diesem Vorbild zu bewerten. "Statt immer nur von Kosten zu reden, sollten wir die Bruttowertschöpfung in den Mittelpunkt stellen. Dann sieht die Welt gleich viel rosiger aus."
Die Opposition übt scharfe Kritik an der Präsentation der Zahlen. Ein grüner Sprecher meint: "Wenn man die Bruttowertschöpfung als Erfolg verkauft, könnte man auch behaupten, ein kaputtes Auto sei ein Gewinn, weil es Platz auf dem Parkplatz schafft." Die FPÖ fordert eine Untersuchung, ob die 422 Millionen Euro tatsächlich existieren oder ob es sich um "imaginäres Wirtschaftsgeld" handelt.
Die Volkswirtschaftslehrer der höheren Schulen planen bereits, das Beispiel in ihren Unterricht aufzunehmen. "Endlich mal ein praxisnahes Beispiel für die Bruttowertschöpfung", freut sich ein Lehrer. "Die Schüler werden begeistert sein, dass man mit ein bisschen Kreativität bei jeder Investition schwarze Zahlen schreiben kann."
Unterdessen planen andere Bundesländer, das oberösterreichische Modell zu übernehmen. In Wien will man eine neue U-Bahn-Strecke bauen, die bei Kosten von 2 Milliarden Euro eine Bruttowertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro bringen soll. Das entspricht einem Verlust von nur 500 Millionen Euro, was im Vergleich zum ursprünglichen Budget eine erhebliche Verbesserung darstellt.
Experten warnen jedoch davor, die Bruttowertschöpfung überzubewerten. "Man darf nicht vergessen", sagt ein Finanzanalyst, "dass die Bruttowertschöpfung auch negative Auswirkungen wie Umweltschäden oder Lärmbelästigung enthält. Wenn man die abzieht, bleibt am Ende meistens nicht mehr viel übrig." Er schlägt vor, künftig die "Netto-Wertschöpfung" zu berechnen, also die Bruttowertschöpfung minus allen Ärger, den das Projekt verursacht hat.
Die Betreiber der Stromleitung zeigen sich überzeugt, dass sich die Investition trotz des Verlusts lohnen wird. "Wir schaffen nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung", sagt der Geschäftsführer, "sondern auch einen Präzedenzfall für zukünftige Projekte. Und das ist unbezahlbar." Er kündigt an, die nächste Leitung gleich doppelt so teuer zu bauen, damit die Bruttowertschöpfung noch größer ausfällt. "Wenn wir das richtig anstellen", meint er, "können wir bald einen Überschuss erzielen."