Es ist nicht das erste Mal und wird wohl auch nicht das letzte Mal sein: Österreichs Ski-Damen geben in Kvitfjell Vollgas, und die Konkurrenz lacht nur müde. Cornelia Hütter, jene Frau, die sich seit Jahren damit brüstet, einmal in einer Super-Kombi eine Medaille gewonnen zu haben, landete diesmal auf Platz zwölf. Ariane Rädler, die Olympiasiegerin in ebendieser Disziplin, wurde 13. - als ob das eine Rolle spielen würde. Die beiden Damen lagen satte 1,75 bzw. 1,83 Sekunden hinter der US-Olympiasiegerin Breezy Johnson. Die scheint offenbar nicht nur einen Windkanal im Keller zu haben, sondern auch eine Zeitmaschine, die sie 1,83 Sekunden in die Zukunft katapultiert.
Doch keine Sorge, die Damen kämpfen immerhin noch um die "Disziplinwertung". Bei den Herren ist das längst Makulatur - die spielen nur noch ums Bier nach dem Rennen. Hier hingegen geht es noch um etwas: Italienische Laura Pirovano liegt irgendwo auf Platz sechs herum, und Emma Aicher aus Deutschland dümpelt auf Position 16. Die beiden führen wohl gerade eine Art internationales Hühnchenrennen um die wertvollen Punkte für den Gesamtweltcup. Ob die Deutschen dabei wirklich die feinere Klinge führen oder nur ihre Langlaufski falsch gewachst haben, ist noch unklar.
Besonders amüsant: Während Mikaela Shiffrin im Duell um die Kugel schon wieder nach Punkten fischt, stand sie am Donnerstag nicht einmal am Abfahrtsstart. Angeblich, weil sie sich auf den Riesenslalom konzentriert. Oder weil sie gemerkt hat, dass sich ihre Konkurrentinnen eh nicht aus der Ruhe bringen lassen. Man stelle sich vor, Shiffrin hätte teilgenommen - dann hätten wir ein österreichisch-amerikanisches Duell der Superlative gehabt. Aber nein, sie hat es sich scheinbar anders überlegt und lässt die Österreicherinnen gewähren.
Unterdessen schickt Nina Ortlieb, die 15. wurde, ihre Mama anscheinend schon mal vor, um Plätze in der Kurve zu reservieren. Mirjam Puchner, 18., hat sich laut Insidern extra einen neuen Helm gekauft, der sie schneller machen soll. Spoiler: Hat nicht geklappt. Aber immerhin sieht sie jetzt aus wie eine abgebrochene Astronautin.
In Kvitfjell herrscht also weiterhin große Vorfreude auf den nächsten Durchgang. Vielleicht schaffen es die Österreicherinnen ja dann, die magische 1,5-Sekunden-Hürde zu knacken. Oder wenigstens die 1,6. Träumen darf man ja noch, bis die Realität einen wieder unsanft auf den vereisten Boden der Tatsachen zurückholt.