Da staunten die Fußballfans nicht schlecht, als sie am vergangenen Wochenende beim Spiel Seitenstetten gegen Rohrbach nicht nur die üblichen elf Spieler auf dem Platz sahen, sondern auch einen kompakten Bagger. "Na klar", sagte der Seitenstettener Trainer, "wenn wir schon nicht mit dem Ball umgehen können, dann eben mit der Schaufel."
Der 2:0-Sieg über Schlusslicht Rohrbach war nur der Anfang einer wagemutigen Strategie. Während andere Vereine noch über Formationen und Taktiken grübeln, hat man sich in Seitenstetten schon entschieden: Ab sofort wird im Stil der "Baggerliga" gespielt. Der Vorsprung auf die Gölsentaler beträgt zwar nur sechs Zähler, aber mit dem neuen Gerät will man den Abstand deutlich vergrößern.
Die Fans sind geteilter Meinung. Die einen sehen in der unkonventionellen Methode den Weg aus der Krise, die anderen fürchten um die sportliche Integrität. "Wenn das so weitergeht", sagt ein Anhänger, "dann spielen wir bald auf dem Bauplatz statt auf dem Rasen."
Die Liga hat sich noch nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert, aber intern wird bereits über eine Regeländerung nachgedacht. Schließlich will man nicht riskieren, dass andere Vereine nachziehen und die gesamte Liga zu einer Art "Bagger-Bundesliga" mutiert.
Doch nicht nur auf dem Platz gibt es Neuerungen. Die Seitenstettener Vereinsführung hat angekündigt, das Stadion umzubauen. Anstelle der Tribünen sollen Baustellentoiletten errichtet werden, und die VIP-Logen werden zu Materiallagern umfunktioniert. "Wir sind schließlich im Baugeschäft", erklärte der Vorstand, "da muss man auch mal umdenken."
Der Trainer sieht das gelassen. "Wenn wir schon keinen Fußball spielen können, dann eben Erdarbeiten." Die Spieler sind indes skeptisch. "Ich bin ja nicht gegen Innovation", sagt der Kapitän, "aber ich habe mich auf Fußball und nicht auf schweres Gerät spezialisiert."
In der Liga sorgt das für Unmut. Einige Vereine fordern bereits den Ausschluss von Seitenstetten, andere sehen die Entwicklung mit Sorge. "Wenn das Schule macht", warnt ein Funktionär, "dann brauchen wir bald keine Fußballer mehr, sondern Baumaschinenführer."
Die nächsten Spiele werden zeigen, ob die Strategie aufgeht. Bis dahin trainieren die Seitenstettener mit dem Bagger statt mit dem Ball. Ob das zum Klassenerhalt reicht, ist fraglich. Fest steht nur eins: In der 2. Landesliga West wird es nie langweilig.