Die Universität Wien hat den bislang größten Unterschied zwischen Männern und Frauen entdeckt: das Alkohol-System im Gehirn. Während Frauen bei Stress sofort anfangen, an ihr heimliches Gläschen zu denken, brauchen Männer erst professionelle Anstiftung – oder wie die Wissenschafterin Sophia Khom es nennt: "akuten Alkoholeinfluss".
Die Forscher stießen bei ihrer Untersuchung auf eine faszinierende Entdeckung: Im weiblichen Gehirn gibt es eine Art internen Barkeeper, der bereits bei leichter Anspannung den "Stress-Cocktail" mixt. Die zentrale Amygdala, jener Teil des Gehirns, der für Emotionen und Stress zuständig ist, funktioniert bei Frauen wie eine gut sortierte Hausbar – immer bereit für den "kleinen Schrecken zwischendurch".
Männer hingegen haben im stressfreien Zustand anscheinend nur ein Saftregal im Kopf. "Bei Männern ist dieses System quasi ausgeschaltet", erklärt Khom. "Erst wenn sie Alkohol trinken, geht die Bar auf und der Stress-Barkeeper kommt zur Arbeit." Eine Erkenntnis, die viele Frauen mit einem fragenden "Und? Warum machen sie's trotzdem nicht?" kommentieren.
Die Wissenschaftler bezeichnen das als "geschlechtsspezifische Funktion" – die breite Öffentlichkeit nennt es "Fridays for Prosecco" bei Frauen und "Donnerstag ist Männertag" bei Männern. Die Studie liefert auch eine plausible Erklärung dafür, warum Frauen in stressigen Situationen oft sagen: "Ich brauche jetzt was Starkes" – und Männer antworten: "Ich brauch jetzt erstmal gar nichts."
Besonders brisant: Die Forscher fanden heraus, dass Frauen bei Stress nicht nur eher trinken, sondern auch eher unter Alkoholkonsumstörungen leiden. Eine Entdeckung, die die Frage aufwirft, ob der Beruf der Barkeeperin nicht vielleicht der stressigste der Welt ist – oder ob der Beruf der Ehefrau diesen Titel längst für sich beansprucht.
Die Wissenschafterin räumt ein, dass weitere Untersuchungen nötig sind. "Wir müssen verstehen, wie sich dieses System bei chronischem Alkoholkonsum anpasst", sagt Khom. Vielleicht finden die Forscher ja heraus, warum Männer nach dem fünften Bier plötzlich davon überzeugt sind, dass sie bessere Autofahrer sind als vorher. Bis dahin bleibt die zentrale Amygdala das einzige Organ im Körper, das tatsächlich auf Alkohol steht – bei Männern zumindest dann, wenn sie welchen getrunken haben.