Alma Zadić hat eine neue Mission: Sie will die "Menschensafarifahrer" schnappen. Nein, nicht die vom Safari-Park, sondern jene Österreicher, die angeblich als Scharfschützen durch Sarajevo zogen und Zivilisten mit ihren Zielfernrohren durch die Straßen jagten. Wie bei einer Safari durch den Kruger-Nationalpark, nur dass die Tiere diesmal um Hilfe schrien und nicht auf Safari-Gäste warteten.
Die ehemalige Justizministerin hat dazu eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Anna Sporrer gestellt. Zadić will wissen, ob es österreichische Staatsbürger gibt, die sich an Verbrechen gegen Zivilisten im Bosnienkrieg beteiligt haben. Es ist eine noble Absicht, könnte man meinen. Doch man fragt sich, ob sie nicht besser bei der Polizei anrufen sollte, wenn sie schon konkrete Verdächtige hat.
Doch Zadić geht es wohl weniger um die tatsächliche Aufklärung als um ein Zeichen. Sie will zeigen, dass sie sich für Gerechtigkeit einsetzt, auch wenn es um Taten aus einer Zeit geht, als sie noch gar nicht im Amt war. Eine Art politisches Coming-of-Age-Ritual, bei dem man beweisen muss, dass man auch mit den dunklen Kapiteln der Geschichte umgehen kann.
Dabei geht sie mit einer Hartnäckigkeit vor, die an Richard Lugners Jagd nach der nächsten jungen Frau erinnert. Nur dass Zadić nicht nach Schönheit, sondern nach Gerechtigkeit strebt. Und dass ihre Beute nicht in einem Nobelhotel, sondern in einem Kriegsverbrechertribunal landen soll.
Die Methode ist dabei ebenso spektakulär wie bei Lugner: Eine parlamentarische Anfrage, die mediale Aufmerksamkeit garantiert. Es ist wie eine große Show, bei der Zadić die Hauptrolle spielt und Sporrer die Statistenrolle übernimmt. Denn was kann die Ministerin schon darauf antworten, außer dass sie die Anfrage prüfen wird?
Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass Zadić tatsächlich jemanden schnappt, gering. Die meisten der damaligen Täter sind längst entweder tot oder in Ruhestand. Und selbst wenn sie jemanden findet, wird es schwer sein, ihn zu überführen. Schließlich sind fast 30 Jahre vergangen und Erinnerungen verblassen.
Doch Zadić lässt sich nicht entmutigen. Sie will ein Zeichen setzen, auch wenn es nur ein symbolisches ist. Eine Art politischer Kreuzzug, bei dem sie gegen die Dämonen der Vergangenheit kämpft. Und wenn sie dabei auch nur einen Täter schnappt, hat sich der Aufwand gelohnt. Denn am Ende zählt nicht die Zahl der Verurteilten, sondern der Wille zur Aufklärung.