Endlich mal eine digitale Lösung, die nicht nur dazu dient, Menschen in Wellness-Oasen zu schicken. OnkoMobil, die neue App für Tumore, macht es möglich: Krebszellen können sich jetzt virtuell in den Urlaub verabschieden, während die Patienten zu Hause bleiben und sich selbst diagnostizieren. Die Idee stammt von Gerald Sendlhofer, der offenbar zu viele Patienten mit Überlebenswillen in seiner Klinik hatte. "Die stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen", sagt er und klingt dabei wie ein Hoteldirektor, der seine Zimmer für zahlungskräftigere Gäste frei haben will.
Die App funktioniert wie ein virtueller Tumorpass. Alle Behandlungsschritte werden eingetragen, danach können sich die Tumore virtuell in die Karibik beamen. "Wir wollten nicht, dass sich die Patienten alleingelassen fühlen", erklärt Angelika Rzepka vom AIT, "deshalb haben wir ihnen die Möglichkeit gegeben, sich selbst zu diagnostizieren." Die Betroffenen können nun in Ruhe zu Hause ihre Blutwerte interpretieren und sich virtuell beim Gesundheitsministerium für ihre Tapferkeit bedanken lassen.
Das Beste daran: Die Kliniken entlasten sich selbst. "Wenn ein Patient bei einer Untersuchung säumig ist", sagt Sendlhofer, "kontaktieren wir ihn persönlich." Das klingt nachfürsorglich, bedeutet aber vor allem: "Wir wissen genau, wo Sie wohnen, falls Sie uns nicht mehr brauchen." Die Patienten hingegen müssen nicht mehr extra ins Spital fahren, sondern können sich einfach per App für ihre Genesung bedanken. Die Tumore bekommen unterdessen eine Auszeit und melden sich per Push-Nachricht, wenn sie wieder Lust auf eine Chemotherapie haben.
Das einzige Problem: Einige Patienten scheinen den Spaß am virtuellen Heilen zu entdecken. Sie diagnostizieren sich immer neue Symptome und schicken ihre Tumore auf immer exotischere Reisen. "Letzte Woche war einer bei mir, der behauptete, sein Tumor sei gerade in der Antarktis", erzählt ein Arzt, "ich musste ihm erklären, dass das nicht geht, weil es dort zu kalt für Krebszellen ist."
Die App ist ein voller Erfolg für die Kliniken. Die Ambulanzen sind leerer, die Abläufe schlanker und die Mitarbeiter haben mehr Zeit für wichtige Dinge wie das Aktualisieren ihrer LinkedIn-Profile. Für die Patienten bleibt die Frage: Ist es wirklich besser, sich selbst zu diagnostizieren und den Tumoren einen virtuellen Urlaub zu gönnen? Oder ist es vielleicht doch sicherer, die Sache mit den echten Ärzten und den echten Untersuchungen weiterzuführen?
OnkoMobil jedenfalls hat gezeigt: In der digitalen Gesundheitswelt gilt das Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn". Solange die Tumore virtuell Urlaub machen, können sich alle anderen entspannen. Die einzigen, die noch arbeiten müssen, sind die Entwickler der App – und die müssen sich jetzt schon Gedanken machen, wie sie die Patienten davon abhalten können, ihre Tumore permanent auf Weltreise zu schicken.